Druckschrift 
4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
180
Einzelbild herunterladen
 

^ 180 ^<>-

wir haben noch vier volle Stunden Tag und dann Voll-mond."Vollmond!" wiederholte Runenstein wie einEcho:Das wäre wohl eine große Thorheit, auf diesenunzuverläßigcn Straßcnbclcuchtcr zu rechnen!"So schel-tend- stieg er hastig aus dem Wagen, ließ abpackcn undbefahl dem Kutscher, der eben nicht freundlich vom Sattel-gaul herunter blickte, den folgenden Morgen bei Aufgangder Sonne wieder anzuspanncn.

Tages darauf ging die Reise wirklich vor sich. Manwar aber kaum zwei Meilen gefahren, als Plötzlich ein.Rad zerbrach und der Wagen umschlug. Alwina zitterte,ungeachtet niemand Schaden genommen hatte, vor Ver-wünschungen ihrer Reiselust; doch Herr von Runensteinlächelte so vergnügt, als wäre ihm das Angenehmste be-gegnet.Nun, Frauchen, wer hat Recht?" rief er aus.Du behauptetest, binnen vier und zwanzig Stunden un-fehlbar an Ort und Stelle zu sepn: ich aber war derMeinung, man könne leicht durch Unglücksfälle acht Tagelang unter Weges aufgehaltcn werden, und cs läßt sichzum Eintreffen meiner Prophezeihnng recht artig an."Alwina stimmte ihm bei, um ihn bei dieser guten Launezu erhalten, und er versicherte nun sogar: der Vorfall scpihm lieb; denn er lerne dabei, daß man nicht ausfahrcndürfe, ohne ein halbes Dutzend Wagenräder für den Noth-fall mitzunchmen, und er werde künftig diese Vorsicht nieunterlassen.

Das zerbrochene Rad nöthigte ihn, in derselben Stadt,die ihm seine Gemahlin Tages vorher zum Nachtquartiervorschlug, bis zum folgenden Tage still zu liegen. Alwinatriumphirte scherzend darüber, daß sie in diesem PunkteRecht behalten hatte.

Der übrige Theil der Reise blieb von Unfällen frei.