Druckschrift 
4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

-°-D 16 S -Zo

aus freiem Willen znm Erben cinsctztc. Um sich nun des-sen zu versichern und in diesem Punkte so viel als mög-lich von den Launen des Zufalls unabhängig zu werden,entwarf er im neunten oder zehnten Monate nach seinerVermählung einen Vertrag zwischen den Häusern Runen-stein und Ellerbach. Die Hauptgegenstände desselben wa-ren ewige Freundschaft und wechselseitige Erbfolge. Kurz,eine förmliche Erbverbrüderung. Diese trug er sei-nem Vetter an, als eben ihre Frauen innerhalb wenigerZwischen tage Söhne geboren hatten. Der Zeitpunkt warschlau gewählt: denn die Wagschalen des Gewinns undVerlustes standen jetzt gleich.

Arbogast horchte bei Ellerbachs Anträge hoch auf, sagteweder Ja noch Nein, sondern verlangte drei Monate Be-denkzeit. Sie ward ihm zugcstanden. Er holte von inn-und ausländischen Juristenfacultäten und Schöppenstühlenrechtliche Gutachten ein, und bat in seinen Sendschreibendringend, ihm alle nur mögliche Vorsichtsregeln an dieHand zu geben. Das geschah. Er erhielt für schweresGeld einen ansehnlichen Schatz von Cautclen. Ellerbachließ sich gefallen, daß diese juristische Blumenlese dem Erb-vertrage einverleibt wurde, und Arbogast Unterzeichnete nunohne weiteres Bedenken seinen Namen.

Bald darauf litt das Gleichgewicht der crbverbrüdcrtenHäuser einen gewaltigen Stoß. Freund Hain hob ausEllerbachs Schale den kleinen Junker heraus, und Runen-steins Schale sank dadurch vortheilhaft. Der kinderloseVater vermaledeite jetzt den geschlossenen Vertrag, undgrollte mit seinem Vetter nicht anders, als hätte dieser denTod gerufen.