136 ,Z-o
Stock, dergleichen ich noch keinen gesehen habe, ein wenigzu betrachten." — „Recht gern!" sagte der Aufwärter,und ging nach dem Keller, um den Rath mit Wein zuversorgen.
Indessen besah Gustav den Stock von oben bis unten.Der messingene Fuß mit eisernem Stachel ließ sich leichtabdrehcn. Das leitete den jungen Mann ans den wun-derlichen Gedanken: daß ihm der dickleibige Stock zu einemgeheimen Briefwechsel mit Augusten behülflich sepn könne.
Indem er den flüchtigen Einfall noch weiter ausbildenwollte, kam der Kuper zurück. „Sagen Sie mir doch,"begann Gustav, „besucht der Herr RcchnungSrath, den ichhalb und halb zu kennen die Ehre habe, dieses Haus öf-ter?" — „Jeden Abend, mein Herr!" — „Und gibt ihnenseinen Stock immer in Verwahrung?" — „Ja, daraufkönnt' ich wetten." — „Hätten Sie wohl Lust, auf eineleichte Art zwei Louisd'or zu gewinnen?" — „Warumnicht? Meine Stelle ist so wenig einträglich, daß mir je-der Nebenverdienst willkommen scpn muß." — „Gut! wirwollen eines der nächsten Abende die Sache weiter be-sprechen." —
Er kam erst nach sechs Tagen wieder und bat den Ku-per, daß er ihm erlaube, den seltsamen Stock (der sich ebenin des Burschen Gewahrsam wieder befand) auf eine halbeStunde in seine nahe Wohnung mitzunehmen, wo er ihn'einem Freunde, der den stadtkundigen Stock zu sehen wünsche,zum Scherz zeigen wolle. „Nein, dazu kann ich mich nichtverstehen," sagte der Stabhüter. „Wenn der Herr Rech-nungsrath sortgehen wollte und sein Stock wäre mit Ih-nen spazieren gegangen, so kam' ich ins Teufels Küche." —
„Sorgen Sie nicht! Ich geb' Ihnen mein Ehrenwort,daß ich in einer halben Stunde unausbleiblich zurück komme