Druckschrift 
4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

in meinem Hause noch gar nicht eingerichtet, habe hier inder Rcchnnngskammcr viel alte Reste aufzuräumcn, undsoll nun bei Ihrer Pinselei Stunden lang als Sitten-wächtcr müßig sitzen; denn nur ein höchst leichtsinnigerVater könnte seine Tochter mit einem jungen Menschen,der sich einer losen Kunst gewidmet hat, allein lassen.Dennoch beschwört mich Ihr Herr Vater bei unserer altenFreundschaft, ihm seine Bitte, zu gewähren. Alte Freund-schaft ! Das ist eine Redensart, die bei mir wenig gilt.Es sei- Ihnen aber gestattet, meine Tochter zn malen,weil ich neugierig bin, wie sich das Mädchen in einemwohlgelungcucn Bilde ausnimmt."

Das Bild wird Ihnen, hoff' ich, gefallen," sagte Gu-stav.Wann erlauben Sie mir, den Anfang meiner Ar-beit zu machen?"

Der Rechnungsrath sah in seinem Geschäftskalender nach,überlegte ein Weilchen, bestimmte dann einen Tag, undschärfte dein Maler sehr ernst ein, nicht vergebens auf sichwarten zn lassen.

Uebcr diese Besorgniß des Ausbleibens lachte Gustavin seinem Herzen, weil er den Augenblick, da er Augustensehen sollte, kaum erwarten konnte.

Er kam zur bestimmten Zeit.Gott bewahr' uns inallen Gnaden!" sagte die alte Sabine, als sie ihm dieVvrhausthür öffnete und die ihm von einem Lohndienernachgctragcne Staffelei sah.Was sind das für gefähr-liche Anstalten!" Sie schloß einen langen Saal auf, mitder Weisung, seinen Lattenkram, wie sie die Staffelcinannte, bei der Thürschwclle aufzubaucn. An dem obernEnde des Saales standen zwei Stühle, und Sabine er-klärte ihm, daß der Herr Rcchnnngsrath und MamsellTochter dort Platz nehmen würden.So muß ich der