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4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
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Jndcssen befand sich die mutterlose Auguste unter Ob-hut einer alten Haushälterin, die immer einen unerschöpf-lichen Vorrath der armseligsten Stadtgcschichtcn und albern-sten Klatschereien im Kopse hatte, und das liebe Mädchenso dringend damit belästigte, daß es in seiner traurigenEinsamkeit nicht einmal das Vergnügen haben konnte, einunterhaltendes Buch zu lesen. Die Alte war von ihremBrodherrn besonders angewiesen, die Versuche aller jun-gen Männer, sich mit Augusten in Verbindung zu setzen,scharf zu beobachten. Sic lauerte, wie Argus, mit hundertAugen, aber mit keinem konnte sie lesen, und war daherimmer in Angst und Sorgen, wenn ein Blatt beschriebe-nes Papier, mochte cs auch nur eine unschuldige Schnei-derrechnung sepn, an Augusten abgegeben wurde. Sic stelltesich in ihrer Einfalt immer vor, daß ein socher Zettel eineGeheimschrift enthalte und ein verkappter Liebesbrief sepnkönne. Ein buntes Stickmuster, das unter andern eineTaube mit einem Brieschen im Schnabel darstellte, brachtesie eines Tages in eine solche Verlegenheit und Unruhe,daß sie das Blatt mit der bedenklichen Bilderschrift Augu-sten wegriß und ins Geschäftszimmer des Rcchnungsra-thes mit dem Ausrufe stürzte:Es ist ein Brief an Mam-sell Augusten augekommcn!"

Wer hat ihn gebracht?" fragte er mürrisch.

Da bringt ihn ein Vogel!" sagte die Alte, und zeigteihrem Herrn das Stickmuster.

Dumme Gans!" fuhr Herr Tobias auf.SolcheBriefe, die sich nicht öffnen und lesen lassen, könne» mei-ner Tochter gebracht werden. Ich begreife nicht, wieSie über ein todtes Bild einen solchen Lärm erheben konnte.Ihre Einfalt hat mich in der wichtigsten Bruchrechnunggestört. Geh' Sie zum Henker!"