Druckschrift 
4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
125
Einzelbild herunterladen
 

-->-§> 128 Ge-

wöhnlichem Nußbaumholze gedreht, und cs fand sich nir-gends ein Merkmal, daß in dem dicken Körper etwas ver-borgen ftp. Darnm konnte sich der Rechnungsrath nichtentschließen, den ihm so dringend ans Herz gelegten Stockohne Wahrscheinlichkeit einigen Nutzens zergliedern zu las-sen; er betrachtete ihn als eine heilige Reliquie und be-diente sich seiner auf der Straße, ungeachtet die allzu kräf-tige Stütze eines noch kräftigen Mannes von Jedem, derihm begegnete, belächelt und von unartigen Leuten sogarlaut belacht wurde. Das gewichtige Tändelstöckchen warbesonders sein beständiger Gefährte, wenn er Abends eingewisses ansehnliches Weinhaus besuchte.Kuper, hierist mein Stock; verwahr' ihn gut!" waren die unverän-derlichen Worte, mit welchen er seine Stütze dem Aufwär-ter übergab und sich dann zu seiner Flasche setzte.

Er war, wie gesagt, Vater einer schönen, sechzehnjähri-gen Tochter. Schon in der Provinz war Auguste derStern, nach dem die Augen aller jungen Männer sichwandten. Aber wie man einen Stern nicht vom Himmelherab langen und in der Nahe bewundern kann, so gelanges auch den schmachtenden Jünglingen nicht, sich dem lieb-lichen Mädchen zu nahen und den Faden einer angenehmenBekanntschaft anzuknüpfen. Das Haus des Rechnungsra-thes war ein strenges Kloster, worin dem männlichenGcschlechtc kein Sprachzimmer offen stand. Eben so wenigwar Auguste außer dem Hause zu sprechen, weil ihr Va-ter mit keiner Familie seines Wohnortes umging und nochweniger Concerte, Bälle oder andere Lustbarkeiten mit sei-ner Tochter besuchte. Er lebte wie ein alter Student,und verbrachte seine Zeit, die er nicht den Geschäften amSchreibtische widmen mußte, an irgend einem öffentlichenOrte.