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Schmeichelei auf der Zunge hatte, machte denn auch, wiegewöhnlich, eine tiefe Verbeugung und ein sehr beifälligesGesicht, sagte hingegen mit dem ernsten Tone eines Hof-meisters: „Ew. Majestät betrugen sich nicht fein und rit-terlich gegen die Dame. Auch ist es nicht löblich, daßAllcrhöchstdicselbcn der treue» Dienste des ermordeten Gra-sen Wildenfels, der zweimals der Retter Ihres Lebens war,undankbar vergaßen." —
Der König sah ihn mit Erstaunen an und fragte: ober seinen Verstand verloren habe.
„O nein," versetzte der Hofmann mit ehrerbietigem Lä-cheln: „Ich sprach die vernünftigste Wahrheit."
„Wahrheit!" fuhr der Herrscher auf. „Ich hasse dieWahrheit. — Drum geh' mir aus den Augen und wag'cs nicht mehr, bei Hofe zu erscheinen.
Ein anderer Hofhcrr, der zunächst ins königliche Gemachtrat, sprach eben so kühn, als sein Vorgänger, und wardwie dieser verbannt. Aber die Ungnade des Königs, diesonst wie ein Erdbeben den Hof erschütterte, hatte jetztkeinen abschreckenden Erfolg. Wer mit ihm sprach, nahmkein Blatt vor den Mund. Sogar die musterhaftestenSchmeichelkatzen, die sich ihr Leben lang mit wurmähnli-cher Demuth vor ihm geschmiegt hatten, verletzten ihn mitder Kralle der Wahrheit. Das geschah nicht immer nurwegen des Prinzen. Man rückte dem König tausend an-dere Dinge vor; man stellte alle Böcke, die er währendseiner langen Regierung geschossen hatte , in Reihe undGlied vor ihm auf. Er fluchte, tobte, prügelte, füllte dieGefängnisse der Hauptstadt, und ließ sich zuletzt, als eralle seine gewöhnlichen Diener fortgejagt hatte, von Kü-chen- und Stalljungcn bedienen. Aber auch diese Wicht-lein sagten ihm bittere Wahrheiten, die er nicht verdauen