Druckschrift 
4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
104
Einzelbild herunterladen
 

-«>D 104

Abschied und ließ sich im Städtchen Finke nberg, wo ergeboren war, häuslich nieder. Da lebte er nun seitdemschon dreißig Jahre und ward nicht müde, sich durch Groß-sprecherei und eine abenteuerliche, mit seiner Gestalt nichtübereinstimmende Tracht lächerlich zu machen. Klein vonPerson, wie Zachäus, und eben so dick als lang, trug erbeständig Uniform und einen langen, tief herabhängendenSäbel, den man, wenn die metallene Scheide auf denPflastersteinen tanzte, durch die ganze Stadt klirren hörte.Auch die Hufeisen der steifen Stiefeln und die Riesenspo-ren machten sich, im Verein mit dem Sarras, so laut,daß sie alle Schläfer ausweckten, wenn der Farmer desNachts über die Straße ging. Ein unmäßig großer Hutmit hohem Federbusch, eine Allongenperücke, wie damalssogar die Feldherren trugen, und zu dem alle» ein tüchti-ger Knebelbart, vollendeten das Zerrbild. ES war daherein lustiger Scherz, als Mutter Sara den Worten derProphetin die Auslegung gab: daß de? alte, häßliche Rit-ter als Helenens Freier auftreten würde.

Aber man darf de» Teufel nicht an die Wand malen,er kommt ohnehin wohl; und das geschah hier. Der Fähn-rich hatte von der Prophezcihung gehört und sie ganz ernst-lich auf sich gedeutet. Die wundergroße Eule, wer konntedas anders scpn, als er, der große wichtige Mann diesesNamens? Er hielt sich also für bestimmt, des Mäd-chens Glück zu machen, und glaubte getrost, die Ehe seybereits im Himmel so fest geschlossen, daß er keinen Korbzu befürchten habe.

Frisch bestieg er einen Miethgaul und ritt nach der