103 b>-
Hierauf neigte sie sich tief vor Helenen und ging vondannen.
„Das ist eine wunderliche Prophezcihung!" sagte Sara.„Am Ende hast Du wohl gar das Glück, daß unser Nach-bar, der Fänner Eule, zu Dir auf die Heirath kommt."
Es entstand ein Gelächter, denn dieser Fänner (wie mandamals statt Fähnrich sagte) war ein possirlichcs Männ-lein. Er hielt sich für einen großen Helden, weil er inseiner Jugend ein halbes Jahr als Fahnjunker gedienthatte und nachher znm Fähnrich erhoben worden war. Alsaber zu gleicher Zeit ein Krieg ausbrcchcn wollte, tratenihm bei dieser Aussicht die Haare zu Berge. Er beschloß,sich um keinen Preis in den gefährlichen Handel zu mischen,wenn er nicht zuvor Gelegenheit gefunden hätte, sich durchdie sogenannte Passauer Kunst so fest zu machen, daß erweder mit Spießen und Schwertern, noch mit irgend einemGeschoß verletzt werden könne. Es glückte ihm, daß einreisender Zauberer', der ihm von ungefähr in den Wurfkam, diese Kunst verstand und sich für Geld und guteWorte bereit finden ließ, ihm damit zu dicken. Er em-pfing von demselben, gegen Erlegung eines Dukatens, ei-nen versiegelten Zettel, den er mit einem seidenen Fadendurchziehen und sich an den Hals hängen sollte. Des fol-genden Tages, als der Zauberer schon wieder über alleBerge war, schien es dem Junker doch bedenklich, seinthcures Leben einem papiernen Schilde anzuvcrtranen; erwollte wenigstens die Zanberfigurcn sehen, welche dieMacht haben sollten, ihn zu schützen. Behutsam das Zct-telchen öffnend, fand er aber mit Schrecken nichts, als dieWorte: Halunke, wehre Dich! — Das war eineungebührliche Zumuthung, die ihm in alle Glieder schlugund ihn auf der Stelle krank machte. Er nahm seinen