Ein Jahr nachher ward Rudolph eingesegnet, und einbefreundeter Oberförster, der unweit der Residenzstadt R o s-sau seinen Sitz hatte, nahm ihn als Jagdgehülfen zu sich.Rudolph schrieb an Adelgunden einen zärtlichen Scheide-brief, worin er ihr ewige Liebe und Treue gelobte. DießBriefchen fiel in Bärenstcins Hände. «Seht den Lassen!"rief er hohnlachend: „Er denkt wohl gar, mein Eidam zuwerden? Stolze Lustschlösser! Die Hand meiner Töchterist Kavalieren bestimmt." — Er verbrannte hierauf denBrief vor den Augen seiner sämmtlichcn Hausgenossen.
Ein Jahr lang fiel nun im Schulhause nichts Merk-würdiges vor. Helene, das zarte Kind, war indessen zueiner bildschönen Jungfrau erblüht, und cs zeigten sichvon Zeit zu Zeit im Dorfe fremde Herren, die allerhandGelegenheiten suchten, sie zu sehen und zu sprechen; daszüchtige Mädchen wich ihnen aber sorgfältg aus. Nacheiniger Zeit empfing Bärenstein von unbekannter Handeinen Brief mit hundert Dukaten und der Aufforderung:seine Tochter Helene in die berühmte Erziehungsanstaltder Madame Fink in Rossau zu bringen, wo für ihrekörperliche und geistige Ausbildung bestens gesorgt werdenwürde. Ein anderer Hausvater wäre über diesen Antragstutzig geworden; aber Bärenstein, der die ihm geweis-sagte Erhebung aus dem Schulstaube immer im Kopfehatte, hielt die räthsclhafte Sache für das Werk irgendeines vornehmen jungen Mannes, der das engclschöneMädchen nach vollendeter Bildung für die große Welt, zuseiner Gemahlin erwählen wolle. Er fuhr daher ohneVerzug und Bedenken mit Helenen nach Rossau, stellte