der Buchstaben nur vom Hörensagen." „Das ist entsetz-lich !" rief Jener, und schien sich noch mißfälliger auSsprc-chen zu wollen; aber zum Gluck sah er, am Fenster ste-hend, einen Jägerburschcn des Försters zwei tüchtige Ha-sen ins Schulhaus herein tragen. Sogleich zog er andereSaiten auf und sagte mit milder Stimme: „Du würdestein Spott der ganzen Dorfjugcnd werden, lieber Sohn,wenn dn in ihrer Mitte anfaiigen wolltest, das ABCzu lernen. Darum will ich dich durch meine Tochter Adel-gunde, die gegen dich eine Gelehrte ist, in Privatstundenso lange unterrichten lasse», bis du in der öffentlichenSchule mit Ehren erscheinen und Sitz und Stimme habenkannst." — Rudolph freute sich heimlich, eine so ange-nehme Lehrerin zu bekommen, und Bärenstein führte ihnin seine Wohnstube zu seiner Gattin und den Töchtern.
Helene, die ältere, ein Mädchen von zwölf Jahren,war eine schlanke, schöne Gestalt; Adelgunde versprach ebenso schön zu werden. Sic ward vom Vater zu RudolphsLehrerin ernannt und ihr feierlich ancmpfohlen, ihn bestenFleißes im Lesen und Schreiben zu unterrichten. „Dassoll mit Vergnügen geschehen;" antwortete sie: „wird aberauch mein Schüler, der mir über den Kopf gewachsen ist,gern von mir lernen?" — „O von niemand lieber!" riefRudolph. Nun begab sich der Vater in die große Schul-stube, wo die indessen angekommenen Buben gewaltig lärm-ten. Adelgunde schob zwei Stühle an den Tisch, legte einAbc buch und ein dünnes Stäbchen auf die Tafel, erhobdrohend den Bakel, und sagte mit drolligem Ernst: „Mitdiesem Stäblcin werden »»fleißige und unfolgsame Schü-ler gestraft. Wonach sich zu achten!" — Die Mutter,eine liebe, sanfte Frau, ermahnte die Muthwillige, keinePossen zu treiben, und es ging nun ernsthaft ins Abchinein.