Druckschrift 
4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
64
Einzelbild herunterladen
 

o§> 64

wcir eben nicht gemein, aber plump und unförmlich geklei-det. Sein dicker Kopf glühte mit vollen, rothen Wangenaus einer Bcutclperücke heraus. In der Hand trug ereinen mächtigen Stock mit einem silbernen Knopfe, undfocht damit so ungeschliffen um sich her, daß ihm jeder-mann, der keinen Schlag haben wollte, auswcichen mußte.

Hinter diesen Personen ging ein Dienstmädchen niit ei-nem schweren Handkorbe. Sic nahmen, ohne sich unterden Lustwandlcrn in der Nahe des Thorcs anfzuhalten,ihren Weg nach einem Dörfchen, das man nicht weit vonder Stadt liegen sah. Ludwig folgte ihnen in einigerFerne. Er konnte nicht hören, was sie sprachen; aber dieheftigen Gebenden des dicken Mannes zeigten deutlich, daßer mit dem schönen Mädchen zankte. Das trieb er so, bissie ins Dorf kamen. Hier wählten sie sich in einem Wäld-chen, das an die Hintcrseite des Wirthshauscs stieß, einender Tische, die zu öffentlichem Gebrauch hingcstellt waren.ES ward Bier ans dem Wirthshause gebracht. Der Dickerauchte Taback aus einem Ungeheuern mcerschaumcnenKopfe. Die schöne Dulderin strickte, ohne von der Nadelanszublicken. Der Faun saß neben ihr, schmunzelte sie anund streichelte und küßte bisweilen ihre Hand. Das allesbeobachtete Ludwig hinter einem Gesträuche, wo er sichunbemerkt ans die Lauer gestellt hatte.

Als der Tabaksraucher mit seiner Pfeife fertig war,deckte das Dienstmädchen den Tisch und trug aus demHandkorbc das Abendessen auf. Es waren zwei FlaschenWein dabei. Die Herren tranken tüchtig. Der Faun, vonWein und Liebe voll, warf sich vor der jungen Personauf die Knie und beschwor sie mit einem Schwall vonzärtlichen Ansdrucken, ihm ihre Liebe zu schenken und seineGattin zu werden. Sie antwortete nicht; sie seufzte nur