Druckschrift 
4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

49 So-

gest zu störe». Ich bin Graf Hollbeck, und der vor-gebliche Graf von Jmmcnstcin war mein Bedienter, dermir, indem ich von meinen Gütern am Rhein eine Reisenach Berlin gemacht und ihn zu Hause gelassen hatte, zehir-tansend Thalcr in Louisd'or stahl und heimlich damit sort-ging. Mein Gerichtshalter verfolgte ihn mit Steckbriefen,die keinen Erfolg hatten. Der Kerl war spurlos verschwun-den. Nach Verlauf dreier Monate schrieb mir ein Freund,der sich einige Wochen in Wien aufgehalten: er habe imBnrgthcatcr in einer Loge des ersten Ranges einen vor-nehm gekleideten jungen Mann gesehen, der mit meinementflohenen Bedienten die auffallendste Ähnlichkeit gehabthabe. Als er nach seinem Namen geforscht, habe man ihnGraf Kroncnburg genannt und dabei gesagt: er fe-em reicher Ausländer, der einen Ungeheuern Aufwandmache und mit dem höchsten Adel umgehe. Diese Schil-derung hatte meinen Freund abgeschrcckt, etwas gegen ihnzu unternehmen, weil in Ermangelung aller Beweise, daßer wirklich der entflohene Vogel sep, ein Angriff auf seinePerson gefährlich gewesen wäre. Er nannte mir Straße undHaus, wo der verdächtige Graf gewohnt hatte. Mehr er-fuhr ich nicht."

Dennoch ahnte mir, daß der sogenannte Graf vonKroncnburg mein Hausdieb sep. Da ich nun schon früherLust hatte, nach Wien zu reisen, so machte ich mich schnellauf den Weg. Dort augclangt, begab ich mich zuvörderstnach der mir genannten Wohnung. Sie war leer. VierWochen zuvor hatte der Graf Wien verlassen; wohin eraber seinen Weg genommen, wußte mau nicht. Er habe,setzte man hinzu, vor seiner Abreise einen Bedienten ver-abschiedet , der sich noch in Wien aufhalte und mir wahr-scheinlich über seinen gewesenen Herrn nähere Ausknnst ge-

Langbein'S sämntts. Schr. VIII. BS. 4