sepn. Ich will selbst Hand anlegen, Deine schimpflichenKetten zu zerbrechen."
An einem der nächsten Tage begab sich der General nachLinuthal und führte gegen die Baronin eine sehr kräftigeSprache. Er hielt ihr alle Vergehungen, die sie sich jetztund in frühern Zeiten gegen den wackern Major erlaubthatte, sreimüthig vor, und schloß mit der Erklärung: daßsein Freund, als Mann von Ehre, nicht länger mit ihrleben könne, sondern auf Scheidung bestehe. „Der HerrGeneral glauben wohl, mich zu erschrecken?" sagte sie keckund höhnisch: „Ja, ich zittere wirklich; aber vor Freude.Ihr werther Freund kommt meinen Wünschen zuvor.." —
„Desto besser!" sagte der General: „Ich höre den Aus-druck Ihrer Gesinnung mit Vergnügen, und erbitte mirauf der Stelle eine schriftliche Zusicherung: daß Sic dieTrennung der Ehe selbst wünschen und ihr kein Hindernißin den Weg legen wollen."
„Keinen Strohhalm!" sagte sie lachend, und schrieb mitflüchtiger Feder die verlangte Erklärung.
Als sie solche dem General übergab, sagte sie: „BittenSie ihren Freund in meinem Namen, von diesem Papieresobald als möglich Gebrauch zu machen."
Das geschah, und die gerichtliche Ehescheidung erfolgte,bei wechselseitiger Einwilligung, ohne Verzug; und da sichdie Geschiedenen schon seit Jahren vom Ehebette getrennthatten, so ward ihnen gestattet, sich in kurzer Zeit wie-derum zu verheirathen.