Druckschrift 
4 (1847) Herbstrosen. Der Bräutigam ohne Braut : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen
 

Zn den Morgenstunden des folgenden Tages war Otti-lie, mit einem Buche in der Hand, in den Garten gegan-gen. Kaum hatte sie sich auf eine Bank niedergelassenund einige Zeilen gelesen, als der Graf von Jmmcnstcinplötzlich hinter ihrem Rücken aus dem Gebüsch trat undneben ihr Platz nahm. Er begann mit albernen Schmei-cheleien, die dem Fräulein äußerst zuwider waren. Sicstand auf, um wegzugehcn; er aber zog sic auf die Bankzurück, umschlang sie mit beiden Armen und wollte sieküssen. Sie sträubte sich mit allen Kräften dagegen. Indiesem Augenblicke erschien der Lieutenant Arnold im Gar-ten und eilte mit schnellen Schritten herbei.

Willkommen, lieber Arnold!" rief das Fräulein:Sieerscheinen mir wie ein rettender Engel."

Thencrste Ottilie!" sagte Arnold.Ich erstaune, Sieso belästiget zu finden."

Bestürzt hatte der Graf das Fräulein aus seinen Armengelassen. Sie stand ans und ging mit Arnold im Gartenumher.

Sagen Sie mir, wer ist der Unbescheidene, der sich sounartig aufführte?" fragte der Lieutenant.

Ein fremder i wie aus den Wolken gefallener Gesell-schafter meiner Mutter, den sie bei einer Kunstvorstellnngdes Taschenspielers Bosco kennen lernte und gleich desfolgenden Tages mit auf's Gut nahm. Ich weiß nichtsvon ihm, als daß er sich Graf von Jmmenstein nennt."

Horchend schlich ihnen der Graf leise nach.

Der Lieutenant sah sich um und warf ihm einen schar-fen Blick zu, der ihn zuruckweisen sollte.

Er fuhr dennoch fort, in ihre Fußtapfen zu trete».

Arnold blickte nach einer Weile wieder um und sagte:Mein Herr, der Garten ist groß genug, daß Sie bequem