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3 (1847) Die Kleinstädter und der Fremdling. Novellen : mit sechs Stahlstichen
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heit aus. So hatten sic zum Beispiel ihre Namen Chri-stiane und Eleonore, die ihnen zu altmodisch und bür-gerlich klangen, in Diana und Laura verwandelt.

Diese Schwachheiten wären verzeihlich gewesen; aberden beiden Schönen schltc das, was die feinste Erziehungnicht geben kann, und oft der rohste Wilde bxsiht eingutes Herz. Sic sprachen von allen Menschen übel, spann-ten Jntrikcn an, plagten das Hausgesinde, crwiedcrten dieAffenliebe ihrer Mutter mit schnöder Begegnung, und be-handelten ihre jüngere Schwester wie eine Magd.

Wilhelm ine war minder schön als ihre Schwestern,aber sanft, anspruchlos und gutmüthig. Durch diese Tu-genden suchte sie, ohne Anwendung anderer Künste, zu ge-fallen; doch in ihrem Familienkreise gelang cs ihr nicht.Sic glich da einem unbeachteten Veilchen, das in der Mitteprachtvoller Tulpen blüht und unbemerkt nicdcrgctretcnwird. Die verblendete Mutter war ihr abgeneigt, gönnteihr selten ein sanftes Wort, und ergriff jede Gelegenheit,auf die härteste Weise zu zeigen, daß sie ihre älter» Töch-ter der jünger» verziehe. Diese mußte jenen mit unter-würfiger Ehrfurcht begegnen und Befehle von ihnen an-nchmen. Wer die drei Schwestern nicht kannte und ihrBetragen gegen einander beobachtete, hielt Wilhclmincnfür ein fremdes, armes, aus Mitleid angenommenes Kind.Ihre liebenswürdigsten Tugenden waren Fehler in denAugen der Mutter. Ihre Bescheidenheit hieß Einfalt,ihre Freundlichkeit Heuchelei, ihr Vergnügen am Lesenguter Bücher gelehrte Prahlsucht, ihre Gleichgültigkeitgegen Moden Pedanterie.

Alle diese Mißhandlungen ertrug Wilhelminc mit uner-schütterlicher Geduld, und jeder freundliche Blick der Mut-ter, der sich dann und wann zu ihr verirrte, bewegte sie