„Mannes entscheidet, dessen höchster und einziger Wunsch
„Eure Liebe ist." —
Kein Wort von dem schweren Kampfe zwischen Liebeund Sittsanikeit in der Seele des Fräuleins! — Er dau-erte unentschieden bis eine Stunde vor Mitternacht; dannaber trug die Liebe, wie in dergleichen Falle» fast immer,den Sieg davon.
Emerentia schlief hart und fest, als ob sie zur Familieder Siebenschläfer gehöre; das Fräulein schlupfte unbemerktaus der Kammer, — deren geschwätzige Thiirangcln sieschon vorher durch einige Ocltropfen gcschwcigt hatte, —schlich geistcrschcu über einen langen, öden Gang in dieeinsamste'Gegend des Schlosses, knüpfte mit zitternderHand die Strickleiter an ein Fenster, und wartete mithvchschlagcndcm Herzen der Ankunft des Geliebten. Eswar eine finstre, schauerliche Nacht. Der Sturm heultedurchs offene Fenster herein und rauschte fürchterlich dieGallerte entlang. Rosamundc brückte sich mit Angst undGrauen in einen Winkel.
Als sie sich ungefähr eine halbe Stunde lang in diesem unbe-haglichen Zustande befunden hatte, hörte sic Plötzlich am Ein-gänge der Galleric — man denke sich das Entsetzen der Armen!— die Stimme ihres Vaters, den sic viele Meilen weitentfernt glaubte. — Ihn hatten verschiedene Ursachen, dienicht zur Sache gehören, unter Weges bewogen, seineReise cinzustcllcn und rasch wieder nach Hause zu traben.Unglücklicher Weise kam er von der Seite her, wo dieStrickleiter hing. Der Wind spielte damit, und trieb sieihm, da er hart an der Schloßmauer hin ritt, ins Gesicht.Er ergriff und untersuchte sic, vcrmuthcte einen feindlichenUcbcrfall und Vcrrälherci in der Burg, sprengte mit ver-hängtem Zügel hinein, und eilte die Stiegen hinauf.