Druckschrift 
3 (1847) Die Kleinstädter und der Fremdling. Novellen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
208
Einzelbild herunterladen
 

vorzumachen; doch was geschehen war, ließ sich nicht än-dern, und er tröstete sich am Ende mit der Hoffnung, daßes seiner Geliebten an einer geschickten Ausflucht nicht feh-len werde.

Standhafter als er, verrieth sie auch wirklich sein Ge-heimnis» nicht, ungeachtet sie lange mit scharfen Fragengeängstigct ward. Sie war zwar nicht die listigste voirEvens Töchtern, und überhaupt zu unschuldig, um inschlaue» Erdichtungen glücklich zu sepn; aber dennoch halfsic sich mit der kunstlosen Antwort: der Harfner habenichts gesagt und gcthan, als aus übertriebener Ehrerbie-tung kuiceud Abschied genommen.

Fräulein! Fräulein!" rief Emerentia,es gehört einstarker Glaube dazu, um Euer Vorgebcn für wahr zuhalte». Doch, wenn ich's auch thuc, so wird die Sache desAusreißers dadurch nicht bester; denn er ist und bleibt dennochein heilloser Bube, der mit seiner Kniebcugung Abgöttereitrieb. Ein frommer Christ kniet vor Gott, aber vor kei-nem Menschen. Wer das thut, ist ein heidnischer Götzen-diener und meinen Augen ein Gräuel. Ich werde Anstal-ten treffe», daß uns dieser Sünder nicht wieder vors An-gesicht komme."

Rosamnnde war klug genug, ihn mit keinem Worte zuverthcidigcn. Sie ließ ihn, ohne ihre ruhige Miene zuverändern, mit dem Bannstrahl bedrohen, und auf ihnschmähen und eifern, so lange es der Strafpredigcrin be-liebte.

Kurz darauf traf des Fräuleins Vater in der Burgwieder ein, um einige Tage auszuruheu und sich zu ei-nem neuen Turnierzuge zu rüsten. Emerentia stattete ihmsogleich von jenem Vorfall Bericht ab. Er zog die Au-gcnbraunen finster zusammen; denn er vcrmuthete äugen-