^ 209 S-
blicklich, daß der angebliche Harfner ein verkappter Liebha-ber gewesen ftp, und drang mit heftigen Worten in seineTochter, ihm die Wahrheit zu bekennen. Sie blieb abermuthig und fest bei ihrer vorigen Rede. Er schüttelteungläubig den Kops und beorderte seine Schildwachen, denverdächtigen Harfner, sobald er sich im Burggcbict wiedersehen ließe, gefangen zu nehmen.
Wie zitterte Rosamunde für den Unbekannten, der ihrschon sehr lieb und Werth geworden war! Sie befürchtete,jeden Augenblick die Schreckensbotschaft zu hören, daß manihn ergriffen habe. Doch ihre Besorgnis' war ohne Grund.Die Klugheit hatte sich noch nicht ganz aus dem Kopfedes jungen Mannes von der Liebe verdrängen lassen, undhielt ihn von unbedachtsamcn Schritten zurück. Er wußte,daß der Ritter zu Hause war, und fand cs daher jetztnicht für räthlich, ein neues Abenteuer zu unternehmen.
Waldemars unruhiger Geist trieb ihn bald wieder aufseinen Turniergaul, und er ritt von dannen. EinigeStunden darauf erschien vor der Schloßpsortc ein alterBauer, der einen Korb mit Pfirsichen und andern köstli-chen Früchten unter dem Arme trug, die er den Damenin der Burg zum Kauf anbicten wollte. Er bestach miteinem Thcüe des Obstes die Wachen; sie trauten seinemehrlichen Ansehen, ließen ihn passiren, und er trat unge-mcldet in das Gemach, wo sich die Frauenzimmer be-fände».
Welch angenehmes Schrecken für Rosamunden! Sie er-kannte beim ersten Blick unter der bäuerischen MaSke denHarfner, ungeachtet er sein Gesicht so künstlich entstellthatte, daß er ei» Greis zu seyn schien. Emerentia hin-gegen bemerkte den Wolf im Schafskleide nicht; denn sieweidete ihre Augen, die das Alter schon sehr geschwächt
Langbcin'S gimmtl. Schr, V!I. Bd. 14