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bei ein Gläschen des süßen Kanariensckts trinken, mit demmich mein Vater neulich an meinem Geburtstage beschenkte." —
Frau Emercntien wässerte der Mund. Sie liebte diegeistigen Getränke noch mehr als die geistlichen Lieder»„Hm!" sagte sie schmunzelnd, „das war kein übler Ein-fall! — Saitenspicl und Wein bethören zwar oft, wie ichvorhin sagte, die Kinder der Welt; aber das Herz derFrommen erfreuen sie, und dem Reinen ist alles rein. IchHab' auch vielleicht dem ehrlichen Harfner zu viel gcthan.Er ficht wirklich, wenn man ihn genauer betrachtet, garnicht so aus, als ob er blos Schelmstückchen im Kopfehätte. Es ist unrecht und unchristlich, seinen Nächstenohne hinreichenden Grund zu verdammen, und ich will mirfür diese Uebercilung selbst die Strafe auflcgen, daß ichdem Spiel und Gesang des jungen Menschen ein Weilchenzuhöre." —
Wie ein Zephyr schwebte Rosamunde fort, und kam nachwenigen Minuten mit dem Harfner und einer Flasche Sektzurück. Die Schildwachen, denen sonst jeder Fremdlingverdächtig war, hatten den rothwangigcn Spiclmann ohneBedenken eingelassen; denn cs war damals noch Sitte,daß dergleichen Harfenschläger von Burg zu Burg wan-delten, um die müßigen Ritter und ihre Frauen zu belu-stigen, und sich dafür nnt Speise und Trank erquicken zulassen. Ueberall hielt man diese friedlichen Zugvögel fürunschädliche Gäste, und keine Thorwache wies sie zurück.
„Tretet näher!" sprach Emerentia zu dem jungen Harf-ner, als er sich ehrerbietig vor ihr verbeugte. „Zeigt uns,was Ihr gelernt habt, und ob Ihr ein frommer Sängerseyd, wie David und Assaph; denn wir begehren nichtweltlichen Sang und Klang, sondern geistliche Lieder zuhören." —