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3 (1847) Die Kleinstädter und der Fremdling. Novellen : mit sechs Stahlstichen
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Jndem er sich so, in Gesellschaft guter Kompane, dieZeit herrlich vertrieb, schlug in seinem öden Schlosse dielange Weile ihren bleiernen Thron auf. Fräulein Rosa-munde, deren Mutter schon lange in der stillen Gruft ih-rer Ahnen schlief, lebte einsam und freudenlos, wie einKäuzlein in einer Fclsenklust. Sie hatte zwar eine Ge-sellschafterin, die ihr aber mehr trübe als frohe Stundenmachte; denn Frau Emerentia, die ihre Sittenmeistcrinverstellte, ob sie gleich selbst wenig gute Sitten besaß, wareine alle milzsüchtigc Matrone, die den ganzen langenTag in das muntre sechzehnjährige Mädchen hinein kiff,um es zu einer frömmelnden Kopfhängerin zu bilden. Ro-samundc hatte hierzu nicht die geringste Anlage, sondernsehnte sich, wie ein gefangenes Vöglein, hinaus in dasrege, gesellige Leben der Welt.

Einst stand sie am Fenster und überblickte die weiten Ge-filde, die das väterliche Schloß, wie blühende Gärten, um-gaben. Sie wünschte sich aus ihrem wolkcnnahen Kerkerhinab in die niedcrn Hütten der Landlcutc, die sic traulichmit einander schwatzen und scherzen sah. Dann horchtesie mit Wchmuth auf die melancholischen Wcttgesängc derNachtigallen, die ein Lustwäldchen am Fuße des Felsen bewohn-ten. Aber bald lenkte sich ihre ganze Aufmerksamkeit zu denrührenden Tönen einer Harfe, die unter den Händen einesJünglings erklang. Er schlug, mit gesenkten Augen untereinem Baume sitzend, die goldnen Saiten an, und sangmit melodischer Stimme:

Ich ziehe fröhlich hin und wiederMit meinem Saitenspiel,

Seit jüngst ein Strahl auf mich herniederAns Engelsangcn fiel.