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3 (1847) Die Kleinstädter und der Fremdling. Novellen : mit sechs Stahlstichen
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Nur unverschuldetes Unglück finde darin eine ruhigeFreistätte! Und für solche Leidende ist kein Palast zuprächtig."

Es blieb also bei Richards wohlthätiger Anordnung,und die Armen in Michclhcim erhielten ein Verpflegungs-Haus, wie cs die größte» und reichsten Städte in Deutsch-land nicht anfzuwciscn haben.

Die kleinen Seelen in der Rathsstubc und in hundertandern Häusern zuckte» über diese Großmut!), die sie Ver-schwendung nannten, die Achseln: nur Albert und die Fa-milie Noggcnburg würdigten Richards Hochherzigkeit nachVerdienst und belohnten sie mit freudigem Beifall. Erwidmete die wenigen Tage, die sie noch in Michelheimzubrachten, beinahe ganz dem Umgänge mit ihnen, und sieschieden mit Schmerz und Thräncn von einander.

Bald nachher gab er dem Magistrat und den sämmtlichenStandcspersonen einen Abschiedsschmaus und bei der Tafel eine Lection.

Meine Herren und Damen!" hob er an,erlaubenSie Ihrem Landsmann und Mitbürger, Ihnen einigewohlgemeinte Worte ans Herz zu legen. Ich scheide vonIhnen mit der schmerzlichen Erfahrung, daß Sic bishernicht immer so froh und glücklich waren, als sie es scpnkönnten. Es lebt sich recht angenehm in kleinen Städten,wenn noch die Sitteneinfalt unserer frommen Vorfahrenund altdeutsche Biederkeit darin walten. Dann umfassendie Stadtmauern gleichsam nur Eine Familie, die bei al-len Vorfällen des Lebens den innigsten Anthcil an einan-der nimmt. Herrscht aber unter den Bewohnern einessolchen Ocrtchcns ein feindlicher Geist, so wird der engeRaum, in welchem man mit unholden Menschen athmcnund verkehren muß, eine wahre Hölle: man leidet beinahe