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„Ja, leider ist's wahr!" seufzte Herr Felven. „Aberich bi« nicht Schuld — ich bin wahrlich nicht Schuld,liebe Frau! — Der Ostiudier, dem man nichts abschlagenkann, drang auf strenge Bestrafung — der Stadtrichter,der harte Mann, sprach, das Urthel — und ich — über-schrien, überstimmt — was wollt' ich machen?"
„Du bist ein regierender Bürgermeister wie ein Hundfür'» Groschen!" rief sic mit grimmigem Gelächter. „Kommher, du Regent, ich will dir die Krone aufsctzen, die dirgebührt!" Damit drückte sic ihn auf eine» Stuhl, hob ihmdie Perücke vom Kopfe, stülpte ihm eine Nachtmütze auf,und zog sic ihm über Augen und Ohre» herunter. „Dasitz' und hungere, du Schlafmutzc!" sagte sie. „DeinePortion Schinken und deine Flasche Doppelbier habe ichdem unschuldig Gefangenen geschickt, und Du magst anseiner Statt mit Wasser und Brod fürlicb nehmen."
„Nein, das geht zu weit! Das ist wider Urthel undRecht!" schrie er aufspringend, und machte Miene, sich alsMann und Hausherr zu zeigen. Er warf die Nachtmützeauf den Fußboden, .setzte die Perücke hastig wieder auf,ergriff seinen Stock, und cs war einen Augenblick zweifel-haft, ob er ausgchcn oder Schläge austhcilen wollte. DieWahrscheinlichkeit des Letzten, gewann sogar die Oberhand;denn er ging rasch auf seine Frau zu und sagte mit wei-nerlicher Stimme: „Hast du nicht noch ein Bischen Schin-ken für mich?" —
Sie lachte laut auf, und versprach ihm ein kleinesSchnittchen, wenn er angelobcn wolle, sogleich nach derMahlzeit Anstalt zu treffen, daß der Gefangene wiederauf freien Fuß komme. „Er ist der einzige Mensch inder Stadt," sagte sie, „der mir de» gebührenden Respekterweist; darum schütz' ich ihn aus ganzer Macht, und be-