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3 (1847) Die Kleinstädter und der Fremdling. Novellen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
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zeichnen. Es sollte etwas Charakteristisches nnd Witzigeswerden und wenig oder nichts kosten. Was that der klugeKopf? Er setzte die Perücke des Herrn Stadtpfarrers, dieer eben znm Aufschnuickcn bei fich hatte, zierlich gekräuseltund gepudert auf den Perückenstock, stellte diesen ans einBlumenbret vor sein Fenster, umgab ihn mit Lampen undbrachte daneben auf einem mit Oel getränkten Blatte fol-gende Inschrift an:

Wer zählt die Haare

An diesem Stutz?

So viele Jahre

Leb' Richard unter Gottes Schutz,

Seinen Feinden zum Trutz!

Dieser Einfall ward bewundert und belacht; denn Herr.Blaffmann hatte, um die schneeweiße Perücke von einemdunkeln Grunde abstechen zu lassen, den Pcrllckcnstock miteinem schwarzen Tuche nmhangcn nnd sie so gedreht, daßsie der Gasse den Rücken znkehrtc: cs sah also nicht an-ders aus, als schaute der Herr Pastor bei dem Friseurzum Fenster hinein. Das Gerücht von dieser sonderbarenErscheinung verbreitete sich schnell durch ganz Michelhcim.Jedermann eilte hin, sie zu betrachten. Auch der Küsterkam gerannt, sah mit Kopfschütteln die unanständige Fi-gur, und hielt es für Pflicht, seinem beleidigten Oberndavon Anzeige zu thun.

Der geistliche Herr entsetzte sich über Blaffmanns Fre-vclthat, war aber augenblicklich entschlossen, den Schimpfnicht zu dulden. Er ging stracks vor die rechte Schmiede,zu dem Bürgermeister, und bat um schleunige Hülfe. DieFrau Bürgermeisterin, die sich in Alles mengte, wollte denFriseur in Schutz nehmen und seinen Vorwitz als einen

LlMgdcui'S sämmtl. Schr. VIl. Bd. 8