111 S-o-
übcrdieß noch zweihundert Thaler, welche die ärmsten fünf-zig Einwohner zu gleichen Theilcn empfangen sollten.
Die Herren des Raths waren außer sich vor Freude,daß sic ihr Netz nicht umsonst ausgcworscn hatten. Siehielten Nachmittags eine ausserordentliche Sitzung, in wel-cher einem vorgeladcnen Ausschuß der Bürgerschaft dieEhre bekannt gemacht wurde, daß der reiche Ostindier nunihr Mitbürger ftp. Man beschloß, diese glückliche Bege-benheit des folgenden Tages durch eine allgemeine Be-leuchtung des Städtleins zu feiern. Der Rathsdiener Pa-cker erhielt Befehl, diesen obrigkeitlichen Beschluß, dem dieLichtzieher großen Beifall schenkten, von Haus zu Hausanzusagcn, und die Unterlassung der angcordneten Festlich-keit mit einer ansehnlichen Geld - oder Gefängnißstraft zubedrohen. Hieraus kann man beiläufig lernen, wie bis-weilen die freiwilligen Erleuchtungen entstehen, vonwelchen in den Zeitungen viel Aufhebens gemacht und ge-rühmt wird, daß jeder aus eigener Bewegung seine Lob-und Danklichter an der Flamme des Herzens angezündethabe.
Die Ausmittelung der fünfzig ärmsten Einwohner, die,nach Richards Vorschrift, Mann für Mann vier Thaler zuempfangen hatten, war leicht und schwierig, wie man esnehmen wollte, weil sich das ganze Städtlein in dürftigenUmständen befand. Das Mehr oder Weniger der Armuthabzuwägcn, war den Rathsherren zu mühsam. Sie er-nannten die Empfänger nach Gunst und Gefallen, undder beliebte Herr Blaffmann stand ans der Liste oben an,ungeachtet er fich durch Pfiffe und Kniffe in ziemlichenWohlstand versetzt hatte. Hieraus ist wieder zu lernen,wie gewissenhaft dergleichen Spenden meistens vertheiltwerden.