Dreirmdzwanzigstcs Kapitel.
Die Illumination.
„Gut, es mag geschehen!" sagte die Bürgermeisterin,als das Ansuchen der Bürgerschaft bei ihr in Vortrag ge-kommen war. „Aber cs muß in dem Bürgerbriefe demIndier zur Bedingung gemacht und cingcschärft werden,nicht nur Dir und den übrigen Rathsgliedcrn die gezie-mende Achtung zu erweisen, sondern auch Mich als dievornehmste Frau der Stadt anzuerkcnncn, und mir beifestlichen Gelegenheiten vor allen andern Damen, beson-ders vor der unausstehlichen Doctorin Salm, den Rangzu geben."
„Liebe Frau," versetzte der Bürgermeister, „dieser kitzlichcPunkt wird sich wohl kaum in den Ehrenbrief, den wirausfertigen wollen, einschaltcn lassen."
„Warum nicht?" fragte sie hitzig. „Bist du etwa auch indie Doctorin vernarrt, daß du ihr nicht weh thun willst?"
„Darüber muß ich lachen, mein Schatz!" sagte der Bür-germeister. „Du kennst meine Kälte gegen das ganze weib-liche Geschlecht, dich allein ausgenommen. Und verführtemich ja noch in meinen weit vorgerückten Jahren der böseFeind, meine Augen auf einen fremden Gegenstand zu wer-fen, so würde das gewiß nicht die fantastische Doctorinseyn. Also ihretwegen widersprach ich dir nicht. Ich be-