Druckschrift 
3 (1847) Die Kleinstädter und der Fremdling. Novellen : mit sechs Stahlstichen
Entstehung
Seite
86
Einzelbild herunterladen
 

zum Falle zu bringen. So erhielt er den beneideten Preis,und beschenkte sogleich ein hübsches Mädchen damit.

Nun zog das Volk zur aufgerichteten Kletterstange. Hierwollte Herr Kreisel denjenigen, der die meiste Katzenge-schicklichkeit beweisen würde, sehr glücklich machen. Er hattenämlich die treffliche Sammlung seiner Gedichte, in rothenSaffian gebunden und auf dem Schnitte vergoldet, zumhöchsten Preis ausgesetzt und an der Spitze der Stangebefestigen lassen. Etwas tiefer hingen einige Würste undein Schinken, zur Belohnung derer bestimmt, welche jenemGlücklichen am nächsten kommen, und gleichsam das Accefsitder Preisaufgabe erhalten würden. Das Klettern ginglos. Viele zerrissen sich Strümpfe und Beinkleider, schlif-fen sich die Haut von den Händen, erreichten mit Müheund Noth die Mitte der Stange, und hielten dann, unterdem Gelächter der Zuschauer, eine plötzliche Heimfahrt.Endlich wurden doch, die aufgehangcnen Leckerbissen erobert.Nun glaubte der eitle Dichter, daß man sich drängen,schlagen, und Leib und Leben daran setzen würde, seingeistvolles Kleinod vom Gipfel herab zu langen. Aberwie der französische Freiheitsbaum in Verachtung gerieth,als er schlechte Früchte trug, so kehrte man auch hier demKletterbaum, nachdem die eßbaren Früchte abgepflückt wa-ren, kaltsinnig den Rücken. Vergebens ließ der staunendePoet ein wiederholtesAuf! ans!" erschallen. Vergebensgingen verschiedene seiner Freunde und Anhänger unterdem Volke herum, munterten die jungen Leute auf, unddrohten mit der Ungnade des Herrn Stadtsccretairs. Siepredigten tauben Ohren; es wollte Niemand wegen einigerBogen Verse den Hals wagen. Indessen zog gerade überden verschmähten Gedichten eine Regenwolke auf, unddrohte Wasser mit Wasser zu vereinigen. Herr Kreisel