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3 (1847) Die Kleinstädter und der Fremdling. Novellen : mit sechs Stahlstichen
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Sie sind mir sehr willkommen!" sagte Richard.Ihrepoetische Anrede macht mich, ohne Fragen nach Ihrem Na-men, mit ihnen bekannt. Ich habe schon von diesen Her-ren gehört, daß Michelheim das Gluck hat, einen gekrön-ten Dichter zu besitzen."

Ja, ich trage den Lorbeer;" versetzte der bescheideneMann,aber leider muß der prosaische Stadtsccrctair dengekrönten Dichter ernähren."

Ein wahres Glück!" fiel der Bürgermeister ein.Eswäre sonst mit dem poetischen Muthwillen des jungenHerrn nicht ausznhalten. Ist das nicht gleich ein Genie-streich, daß er sich selbst ohne Umstände hier zu Gaste bit-tet? Und die Musikanten hat er wohl auch mitgebracht?"

Allerdings!" crwiedcrte Herr Kreisel.Sie kehrtenmit mir von der Hochzeit zurück; und da wir am Thoredie Kunde vernahmen, daß im goldenen Fasse ein vor-nehmer Fremdling angckommcn sep und sich die ehrwürdi-gen Väter der Stadt bei ihm zur Tafel befänden, soführte ich die Spicllcnte hierher, damit sie durch ihre Kunstdas Fest verherrlichen möchten."

Er spricht doch wie ein Buch!" sagte der Bürgcrmei-meistcr halblaut zu seinen Nachbarn.

Ein mäßiges und sogar zweideutiges Lob!" rief ihmKreisel mit Hohnlächeln zu:denn viele Bücher sprechensehr schlecht."

Indem er diesen stolzen Hieb austheilte, küßte er denFrauenzimmern nach der Reihe die Hand, und begrüßtebesonders Lieschen, die Dame seines Herzens, sehr traulichund zärtlich. Auch sie empfing ihn mit freundlicher Huld.Unter andern Vertraulichkeiten faßte sie ihn am rechtenOhrläppchen, zog an dieser Handhabe seinen Kopf zu sichherunter und flüsterte ihm ins Ohr:Wenn wir dochtanzen könnten!"