lang, indem man sie ihm verkürzen wollte. Er ließ sichdas Anfangs aus Höflichkeit gefalle»; da jedoch die ein-schläfernden Novellen gar kein Ende nahmen, so sah ersich genöthiget, dieser Fluth einen Damm entgegenzu-setzen. Er sprang in eine kurze Pause mit der Erklärunghinein: er liebe bei der Tafel Gesang; und, ohne die Zustim-mung der Tafelgenossen abzuwarten, forderte er Lieschenund Grctchen auf, ihre lieblichen Stimmen hören zu lassen.Die Mädchen waren sogleich willig und sangen die Lieder:Als ich auf meiner Bleiche rc. — Mein Toffel ist einMann für mich re. — Blühe liebes Veilchen rc. — unddergleichen mehr.
Jetzt erschallte plötzlich im Vorsaal eine vollstimmigeMusik; die Thür flog auf und mit zierlichen Tanzsprün-gen, die durch ein Räuschchen zu entstehen schienen, hüpfteder Herr Stadtsecretair Kreisel herein. Alle erstaunten überdiese unerwartete Erscheinung. Richard erhob sich vomStuhle, der Dichter stellte sich vor ihn hin und redete ihnans dem Stegreif folgender Maßen an:
„Ich komme spornstreichs herein vom Lande,
Da drang am Thor der Nus mir in die Ohren,Es habe stich ein Herr von hohem Stande,
Mit einem glänzenden Gcfolg von Mohren,
In unser kleines Michelheim verloren,
Und habe stracks den Magistrat in GnadenZu einem herrlichen Bankett geladen.
Ich schmeichle mir, daß ich der hohen Ehre,Hätt' ich auf meinem Pvsten mich befunden,Unfehlbar auch gewürdigt worden wäre:
Drum ist mir alle Furcht sogleich verschwunden,Mich frei und eigenmächtig cinzustellen,
Und zu den werthen Gästen zu gesellen."