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10 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Anthropologie und Pädagogik : nebst einer Sammlung von Briefen und öffentlichen Erklärungen und einem chronologischen Verzeichnisse sämmtlicher Schriften Kant's
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357
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C. Vom ßfjarafter be$ VolfS. §. 87.

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(Sein Straffer ift mit SSerflanb verbunbeneS 5)f>tegma; ohneivcb« über bie fd;ort eingeführte ju vernünfteln, nod) fid) felbfteine auSjubenfen. Gr ift babei boch ber Sftann von alten San*bern unb Älimaten, wanbert leicht auS unb ift an fein Vater?

' (anb nidjt Icibenfrfjaftlid) gefeffett; wo er aber in frembe ßänberaB Geloniji hinfommt, ba fcfjlie^t er batb mit feinen ßanbeS?getioffen eine 2frt von bürgerlichem Verein, ber burch Einheit berSprache, jum 5£t>etl auch ber Religion, ihn ju einem SSolFchenflnftebett, waS unter ber höheren £)brigfeit in einer ruhigen, fitt?liehen Verfaffung burch Steift, SJeinlichfeit unb ©pavfamfeit vorI ben 2lnfteblungen anberer S36lFer fich vorzüglich auSzeichnet.

So laufet baS Sob, welche«? felbft ©nglänber ben £>eutfcf)en inSftorbamerifa geben.

£a Phlegma (im guten Sinn genommen) baS Sempera?ment ber falten Ucberlegung unb ber 3(u3bauru.ng in Verfolgungfeines BwecfS', imglcichen beS 2lu3halten3 ber bamit verbunbenenI Vefchwerlichfeiten ift; fo fann man von bem Salenfe feineS rid)?

J tigen VcrftanbcS unb feiner tief nachbenfenbcn Vernunft fo viel,

wie von jebem anberen, ber größeren Guttur fähigen Volfe er?warten; baS gadh be$ 2Bihe$ unb beS .RünftlergefchmacfS auS?genommen, als worin er eS vielleicht ben granjofen, Gnglänbernj unb Sfalienern nicht gleich thun möchte. £>a3 ift mjn

| feine gute ©eite, in bem, waS burch anhattenben gleiß auSju?

j richten ift, unb woju eben nicht ©enie*) erforbert wirb; welches

*) ®eine ift baS Salcnt bet ©rfitibung beffen, was nicht gelehrtober gelernt werben fann. 93tan fann gar wohl von Slnberen gelehrt wer?ben, wie man gute SScrfe, aber nicht, wie man ein gutes ©ebicht machen fort;benn baS muß aus ber Statur beS SScrfafferS von felbft heroorgeßen. ®aberfann man eS nicht auf SScftctlung unb für reichliche 23ejahlung als Jabricat,fonbetn muß.cS, gleich als ©ingebung, »an ber ber ^Dichter felbft nicht fagenfann, wie er baju gefommen fei, b. i. einer gelegentlichen ©iSpbfltien, berenUtfacfjc iljnt unbefannt ift, erwarten (seit genius nal.ile comcs c/ui temperatostrum). ©aS ©enie glanjt baher als augenblicfliche, mit 3ntcr»aKen fichjcigenbc unb rniebet «erfchwinbcnbe ©rfchcinung, nicht mit einem witlführlid)angejünbctcti unb eine beliebige Seit fortbrennenben Sicht, fonbern wie fprft«henbe Sunfen, welche eine glücflichc Slnwanbelung beS ©eifteS aus ber pro?buctircn ©inbitbungSfraft auSlocft-