Druckschrift 
10 (1839) Immanuel Kant's Schriften zur Anthropologie und Pädagogik : nebst einer Sammlung von Briefen und öffentlichen Erklärungen und einem chronologischen Verzeichnisse sämmtlicher Schriften Kant's
Entstehung
Seite
217
Einzelbild herunterladen
 

217

1. Sud; Som ©rfenntnijjtoermögen. §. 44.

imitEjcn, benfPoeten ju fpielen; wie bem ©laoitiS, ben fein ©d)ul=meifiec fcf)on beim ©robfchmieb in bie fiefjre geben wollte, weitct feine SScrfe machen fonnte, bet aber, als er ein mathematifcheSSud) in bie 4?anbe befam, ein großer SJtathematifer warb.gilt Jtopf oon langfamer SBegreifung ijt barum noch nicht einfcf)n)ad)cr .Kopf; fo wie ber oon behenben ffiegriffen nicht immerauch ein grünblicfjcr, fonbern oft fehr feicht ijt.

Ser SJtangel ber UrtheilSfraft ohne 2Btfe ijt Summbeit(stupiditas). Serfelbe SJtangel aber mit SBifj ijt Albernheit. ©er UrtheilSfraft in ©efchaften jeigt, ijt gefcheut. 4?at erbabei zugleich 2Bit«s, fo beifjt er fing. Ser, welcher eine bie»fer ©igenfdjaften blo§ affectirt, ber SBifsling. fowohl, als berKlügling, ijt ein efel&afteS ©ubject. Surch ©chaben wirbman gewifcigt; wer eS aber in bicfer ©cbule fo weit gebrachthat, baf? er Anbere burct) ihren ©cbaben flug machen fann, ijtabgewi^t. Unwiffent>eit ijt nicht Summbeit; wie. einegemiffe Same auf bie §rage eines AfabemiferS:grejfen biePferbe aud) beö StacbtS?" erwieberte:2Bie fann hoch ein fo ge»lehrtet SKann fo bumm fein ? // ©onjt ijt eS 33eweiS oon gutemSSerftanbe, wenn ber SRenfd) auch nur weiß, wie er gut fragenfoll, (um entweber oon ber Statur ober einem anberen SJfenfchenbelehrt ju werben.)

©infaltig ijt ber, welcher nicht oiel burch feinen SSerjtanbauffaffen fann; aber er ijt barum nicht bumm, wenn er eS nicht»erfehrt auffajjt. ©brlicb, ober bumm, (wie ©inige ungebührlichben fPommerfchen ©ebienten betreiben,) ijt ein falfcher unb böcbjttabelhafter ©pruef). @r ijt falfch; benn ©hrlichfeit (fPflicbtbeobad)»tung auS ©runbfäfsen) ijt praftijebe S3ernunft. ©r ijt hod.ijttabel»haft; weil er oorauSfefjt, bajjj ein Seber, wenn er fid; ba$u ge»fehieft fühlte, betrügen würbe, unb baff er nicht betrügt, bloS oonfeinem Unoermögcn herrühre. Sähet bie Sprichwörter:@rhat baS ©cbiefjpuloer nicht erfunben, er wirb baS ßanb nicht oer»rathen, er ijt fein .Sperenmeijter," menfchenfeinbliche ©runbfälje»errathen: baff man nämlich, bei §3orauSfefcung eines guten 2iJiU