„nicht stärker als ein warmer Seufzer der Liebe, hauchet vor„unfern Wangen vorbei unter die rauchenden Kornblüten und„treibt Samen-Staubwolken auf, und ein Lüftchen umS andre„gaukelt und spielt mit den fliegenden Ernten der Länder,„aber eS legt sie uns hin, wenn es gespielt hat-O Ge-
liebter, wenn alles Liebe ist, alles Harmonie, alles liebend„nnd geliebt, alle Fluren Ein berauschender Blütenkclch, dann„streckt wol auch im Menschen der hohe Geist die Arme aus„und will mit ihnen einen Geist umschlingen, und dann,„wenn er die Arme nur an Schatten zusammcnlcgt, dann„wird er sehr traurig vor unendlicher, vor unaussprechlicher„Sehnsucht nach Liebe." —
„Emanuel, ich bin auch traurig," sagte mein Julius.
„Siche, die Sonne zieht hinab, die Erde hüllet sich zu„— laß mich alles noch sehen und cs dir sagen .... Jetzo„fliehet eine weiße Taube, wie eine große Schneeflocke, blen-dend über das tiefe Blau . . . Jetzo zieht sie um den Gold-„sunkcn des Gcwittcrableiterö herum, gleichsam um einen im„Taghimmcl aufgchangenen glimmenden Stern — o sie wo-„get und woget, und sinkt und verschwindet in den hohen„Blumen des Gottesackers .... Julius, fühltest du nichts,„da ich sprach? Ach die weiße Taube war vielleicht dein„Engel, und darum zerfloß heute vor seiner Nähe dein Herz„— Die Taube fliegt nicht auf, aber Thau-Wolken, wie ab-gerissene Stücke aus Sommernächten, mit einem Silberrand,„ziehen über den Gottesacker und überfärben die blühenden„Gräber mit Schatten .... Jetzo schwimmt ein solcher vom„Himmel fallender Schatten auf uns her und übcrspült un-„sern Berg — — Rinne, rinne, flüchtige Nacht, Bild des„Lebens, und verdecke mir die fallende Sonne nicht lange!....