212
Wunder, daß Viktors Freundschaft gegen Klotildc ein gan-zes Honiggewirke von Liede für Joachime in seine Zelleneintrug; cs war ihm lieb, wenn sie einander besuchten oderumarmten, er suchte in den ScgcnSsingcrn des PabstcS nichtso viele Heilkraft, als in Klvtildcns ihren; die Freundschaftderselben schien ihm eine Entschuldigung der scinigcn zu sehn,und Joachimen auf das Postament des Werths zu heben,ans welches er sie mit allen Wagenwinden noch nicht stellenkönnen. Sogar das Gefühl seines steigenden Werthes gabihm neue Rechte zu lieben; und heute würde sogar Klotil-dens Flor- und FürstenhNt seine Helmklcinodicn ans Joachi-mens kränklichen, geduldiger« Kopfe behauptet haben. Inihre fortgesetzte Koketterie gegen das Narrcnpaar hatt' ersich längst gefügt, weil er recht gut wußte, wen sic unterdrei Weisen ans Morgenland nicht zum Narren habe,sondern zum Anbeter. Aber zurück!
Matthicu, der der Schwester zu Gefallen auch zu Hauseblieb, und Viktor und sie machten die ganze Bande diesesconcert spii'iuwl. Joachime lehnte auf dem Kanapee ihrensanften siechen Kopf an die Wand zurück, und blickte aufdas Fuß-Getäfel, und sah mit den herübergezognen Augen-liedern schöner ans — der Evangelist ging ab und zu —Viktor setzte, wie allemal, im Zimmer herum. — Es warein recht hübscher Abend, und ich wollt', meiner würde heuteso.— DaS Gespräch wendete sich auf die Liebe; und Viktorbehauptete das Daseyn einer doppelten, der bürgerlichen undder stiftfähigcn oder französischen. Er liebte die französischein Büchern, und als Gesammtliebe, aber er haßte sic, sobaldsie die einzige seyn sollte; er beschrieb sie heute so: „nimm„ein wenig Eiö — ein wenig Herz — ein wenig Witz —