selber nahm diese Willfährigkeit der Fürstin Wunder, beider sonst Bitten Sünden waren, und die nichts versagte,als was man erbat. Seine Verlegenheit war setzv nur die,Klotilden die Bewilligungen der Fürstin ohne das beleidi-gende Gcständniß ihrer vorgeschütztcn Kränklichkeit beizu-bringen. Aber aus diesem kleinen Uebcl zog ihn ein großes:als er bei ihr vorkam, sah sie noch zehnmal siecher aus, alsvorgestern bei der Entdeckung ihrer Verwandtschaft: ihreBlüten hingen zugcdrückt und kalt bcthauct zur Erde nieder.
Gang und Stellung waren unverändert; die äußereFröhlichkeit dieselbe, aber der Blick war oft zu flatternd, oftzu stehend; durch die Lilienwangen flog oft ein Fieberroth,durch die untere Lippe einmal ein zerdrückter Krampf. . .Hier hob das Mitleid den erschrocknen Freund über dieHöflichkeit hinaus, und er sagte ihr geradezu die Einwilli-gungen der Fürstin. Er rief seinem beschwerten Herzen seinebisherige Hof-Kühnheit zu Hülfe, und befahl ihr, den nahenFrühling zu ihrer Apotheke zu machen, und die Blumen zuihren offizinellen Kräutern, und ihre — Phantasie zu ihrerArzenei. „Sic scheinen mich (sagte sie lächelnd) zu den„Lerchen zu rechnen, die in ihrem Bauer immer grünen„Rasen haben müssen. Damit aber meine Fürstin und„Sie nicht umsonst gütig waren: so werd' ich'S am Ende„thun. — Ich gesteh' es Ihnen, ich bin wenigstens eine ein-gebildete — Gesunde: ich fühle mich wohl." .... Siebrach cs ab, um ihn mit der Frcimüthigkeit der Tugend,und mit einem in schwesterlicher Liebe schwimmenden Augeüber ihren Bruder auszufragen, ob er glücklich und zufriedensei, wie er arbeite, wie er sich in seinen Posten schicke?Sie sagte ihm, wie weh ihr bisher diese tief in ihre Seele
Jean Paul's ausgew, Werke. IV.