205
rockcn des Gesprächs ganz neuen fremden Stoff, weil er un-ter dem Fortspinncn gern über den traurigen Eindruck, densein Bekcnntniß zu machen geschienen, Heller und gewisserwerden wollte. Er fragte nach Emanuels neuesten Briefen;sie versetzte: „ich habe erst gestern während der ganzen Mond-„stnstcrniß an ihn geschrieben; er kann mir nicht oft antwor-ten, weil seine Brust durch das Schreiben leidet." — Danun die Finstcrniß des 25sten Februars schon Abends um 10Uhr 20 Minuten anfing, um 11 Uhr 11 Minuten am stärk-sten und um 1 Uhr 2 Minuten erst aus war: so konnteViktor als Arzt mit Gesetzpredigten und Gcsctzhämmcrn überdie medizinische Sünderin hcrfallcn, und es erhärten: nun seies kein Wunder. Lass' es bleiben, Doktor! Diese liebenWesen gehorchen leichter dem Manne — den 10 Geboten —den Büchern — der Tugend — dem Teufel selber leichter,als dem Diätctiker. Klotilde sagte: „die Mitternachtstunden„sind blvs meine einzigen Freistunden. — Und Maienthal kann„ich ja nie vergessen." — „Ach, wie könnte man das?" —sagt' er. Die Musik vor dem letzten Akte, und die tragischeStimmung und die Schmerzen begeisterten sie, und sie fuhrfort: „trank man nicht Lethe, wenn man das Elysium be-trat, und wenn man cS verließ? . . . (Sie hielt inne) Ich„tränke keine Lethe, nicht im ersten Falle, noch weniger im„letzten — nein!" Und nie wurde das Nein leiser, sanfter,gezogener gesagt. In Viktors Herzen zog ein dreischncidigeüMitleiden schmerzlich hin und her, da er sich die schreibendeund weinende und vom Schicksal verspottete Klotilde in derMitternacht unter dem vom Erdschatten zcrftückten und be-wölkten Mond verstellte; er sagte nichts, er blickte starr in