180
„Mittagsonne entflohen ist; solche für eine Welt voll Sturm„zu biegsame Seelen, die zu viel Nerven und zu wenig Mus-keln haben, verdienen ihrer Empfindsamkeit wegen das ein-„fressende Salz der Satire nicht, daö sie wie Schnecken zer-nagt — die Erde und wir können ihnen wenig Freuden ge-„ben, warum wollen wir ihnen die andern nehmen?"
Aber die Trauerzüge, die setzt daö Mitleid durch Joachi-mens Lächeln zog, drückten sich deutlich in Viktors Herzenab, und das, was sie hier verbergen wollte, machte sie rei-zender als alles, was sic se zu zeigen gesucht.
Nichts ist gefährlicher — wie er vor einigen Wochengethan — als sich verliebt zu stellen: man wird's sogleichdaraus. So war der Weichling Baron einige Tage, wenner einen Helden von Corneille gespielet hatte, selber einer.So starb Moliüre am eingebildeten Kranken, und Karl derV. am Probe-Dcgräbniß. So machte die papicrne Krone,die Kromwcll in einem Schuldrama aufbekommen hatte, ihnaus eine härtere begierig. — Die zweite Lehre, die darauszu lernen ist (diese setzt aber freilich voraus, Joachime wareine Kokette) ist die: daß ein Held die Koketterie wahrneh-men und doch hineintappen könne; ein Poet sitzt wie dieNachtigall (der er an Gefieder, Kehle und Einfalt ähnelt)oben auf dem Baume, und sieht die Falle stellen, und hüpfthinunter und — hinein.
Nach einigen Tagen — als in Viktor die Frage überJoachimenS Werth und über seine Liebe wie eine Woge auf-und ablief; als er schlecht mit Flamin, gut mit der Fürstinund besser mit dem Fürsten stand, der seden Tag nachfragte,wann Klotildc käme — kam sie.