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gern. Unser Lehrer sagt, die Sterbenden sind fliegendes Ge-wölk, die Lebenden sind stehendes, unter welchem jenes hin-zicht, aber Abends ist ja beides dahin. Ach ich dachte, ichwürde mich noch recht lange, von einem Trauerjahr zum an-dern, nach dem Sterben sehnen müssen, ach ich besorgte, dieseerblaßten Wangen, diese hincingcweinten Augen würden denTod nicht erbitten, er würde mich veralten lassen, und mirdas verblühte Herz erst abnehmcn, wenn es sich müde ge-schlagen — aber siehe, er kömmt eher — In wenig Tagen,vielleicht in wenig Stunden wird ein Engel vor mich tretenund lächeln, und ich wcrd' es sehen, daß es der Tod ist, undauch lächeln und recht freudig sagen: nimm immer mein schla-gendes Herz in deine Hand, du Abgesandter der Ewigkeit,und sorge für meine Seele.
„Bist du aber nicht jung (wird der Engel sagen), hast„du nicht erst diese Erde betreten? Soll ich dich schon zu-„rückführen, eh' sie ihren Frühling hat?"
Aber ich werde antworten: schau' diese untcrgegangncnWangen an, und diese ermüdeten Augen und drücke sie nurzu — o lege den Leichenstein*) an meine Brust, damit eralle Wunden aussauge und nicht eher absalle, als bis sie aus-geheilct sind — Ach ich habe wol nichts Gutes in der Weltgcthan, aber auch nichts Böses.
Dann sagt der Engel: „wenn ich dich berühre, so er-harrest du — der Frühling und die Menschen und die ganze„Erde verschwinden, und ich allein stehe neben dir — Ist„denn deine junge Seele schon so müde und so wund? Welche„Leiden sind denn schon in deiner Brust?"
*) Der Schlangenstein saugt sich so lange an die Wunde an,bis er ihren Gift weggcsogen.