10
Klotildcn verlieben: so wird uns beiden — ihm im Agiren,mir im Kopircn — die Heldin warm genug machen, ebenweil sie selber nicht warm seyn will; weil sie weder über-flüssige Wärme, noch überflüssige Kälte, sondern allezeit diewechselnde Temperatur hat, die sich mit dem Gespräch-Stoff,aber nicht mit dem Redner ändert; weil sie einem zärtlichenNcbenmenschen alle Lust nimmt, sie zu loben, da sie keinenSackzehcnd davon entrichtet, oder sie wenigstens zu beleidigen,da sie keine Ablaßbriese austheilt, und weil man wirklich inder Angst zuletzt annimmt, man könne keine andern Sündengegen sie begehen, als solche gegen den heiligen Geist. JeanPaul, der in solchen Lagen war und ost Jahre lang ausEinem Platz vor solchen Bergfestungen mit seinen Sturm-leitern und Labarum's und Trompetern stand, und statt derBesatzung selber ehrenvoll abzog, dieser Paul, sag' ich, kannsich eine Vorstellung machen, was hier in Sachen Sebastianscontra Klotilden für Aktcnpapier, Zeit und Druckschwärze(von ihm und mir) verthan werden kann, bis wir's nur zurKriegsbefestigung treiben. Es wird einem Mann über-haupt bei einer ganz vernünftigen Frau nie recht wohl,sondern bei einer blos feinen, phantasirenden, heißen, launen-haften ist er erst zu Hause. Durch so eine wie Klotilde kannder beste Mensch vor bloßer Angst und Achtung frostig, dummund entzückt werden; und meistens schlägt obendrein nochdas Unglück dazu, daß der arme matte Schäker, von dem sichein solcher irdischer Engel, wie der apokalyptische vom Jün-ger Johannes, durchaus nicht will anbeten lassen, selten nochdie Kräfte auftreibt, um zum Engel zu sagen — wie etwanzu einem entgegengesetzten Engel mit Weltreichen, der das