Druckschrift 
5 (1847) Franz und Rosalie. Magister Zimpels Brautfahrt
Entstehung
Seite
367
Einzelbild herunterladen
 

Simpel (furchtsam). Ich will Respekt haben, lieberBruder

v. Simpel. Gnädiger Herr Bruder heißt's. Wenndu mich nicht so nennen willst, so geh' unter deine Bauernzurück.

Simpel« Ach! laß mich nur hier in der schönen Stadt;ich will dich nennen, wie du's haben willst. Ehe ich'svergesse: Die liebe Mutter läßt dich grüßen, gnädigerHerr Bruder, und dir sagen, wenn du etwa in SpargutsLaden etwas Zucker und Kaffee weggessrelt hättst, so soll-test du's ihr doch ablaffcn.

v. Simpel. Unverschämter! Wie kannst du dich unter-stehen, einen so beleidigenden Auftrag an mich auszurich-ten? Wärst du nicht so dumm, wie deine gehörnten Dorf-gesellschast.er, so glaubt' ich, du wolltest mich foppen.

Simpel. Das wollt' ich wahrhaftig nicht! gnädigerHerr Bruder. Gib dich zufrieden und laß' mich hierin der schönen Stadt; bitte, bitte.

v. Simpel. Nun, du sollst hier bleiben, und währendich ans Reisen bin, meine Zimmer bewohnen.

Simpel. Auf Reisen willst du gehn?

v. Simpel. Versteht sich. Ein Herr von meinemStande muß wenigstens Frankreich, England und Italiensehen. Auch will ich mich ungefähr einen Monat in Hol-land aufhalten, um Poesie zu studieren.

Simpel. Poesie? Ein schönes Wort! Bedeutet csetwa die Kunst, Butter und Käse zu machen? Das sollendie Holländer, wie unser Verwalter sagt, perfekt verstehen.

v. Simpel. Ueber dich, Strohkopf! Poesie ist die,Kunst, zu reimen, wie zum Erempel: Sonne Wonne,Simpel Gimpel.

Simpel. Also das können die Holländer?