318
Jn der Nähe war ein Buchladen, an dessen Thür einbejahrter Mann stand, der sich nach Känftrn umzusehenschien. Tobias ging zu ihm und fragte: „Verkaufen SieBücher?"
„O ja, mit Vergnügenantwortete der Eigcnthümervieler vergessenen und bestäubten Ladenhüter.
„Nun, so geben Sie mir ein gutes Lehrbuch der Ver-wegenheit!" sagte Tobias.
„Hör' ich recht?" sprach der Alte: „Ein Lehrbuch derVerwegenheit? — Das hat man nicht; und wozu war'es auch nöthig? Unser hochgeehrtester Zeitgeist lehrt sieuns durch lebendiges Beispiel. — Verwegene Schriftengibt es übrigens genug. Ich verstehe darunter nicht blosoffenbar freche Lügen- und Lästerschriften, wie sie jetzt gängund gebe sind, sondern auch gutherzige Romane und Ge-dichte von Leuten, die kein Talent dazu haben — fernerkunstrichterlichc Urtheile der Einfalt oder unverschämtenParteilichkeit — überhaupt alles, was wider Minerva'sWillen und gegen die Wahrheit geschrieben wird. — Ichglaube, Sie werden mir bcistimmen, mein Bester!"
„Von ganzem Herzen, mein Thcuerster!" antworteteTobias, und verließ eilig den Buchhändler, dessen Redenihm böhmische Dörfer waren.
Er begab sich hierauf in eine Schaubude, wo ein Elc-phant gezeigt ward, und stellte sich, um das Licht seinerVerwegenheit vor den übrigen Zuschauern leuchten zu las-sen, sehr nahe vor den lebendigen Berg hin. Die dicken,ungeschickten Beine fesselte seine Augen zuerst; aber derRüffel, der den Mangel der ihm vorzüglich gebührendenAufmerksamkeit übel zu nehmen schien, zog ihm, indem erjene betrachtete, den Hut vom Kopfe, und warf ihn rück-wärts in den Hintergrund der Bühne, wo er unglücklicher