301
geruhen Sie, hereinzutreten in diesen kleinen, dunkeln,seit zwanzig Jahren nicht ausgewcißten Wcisheitstempel."
Aber dich künstliche Wortspiel ward überhört, weil ebenHannchcn die Thür der gegenüber befindlichen Wohnstubeausstieß und sagte: „Sie kommen wie gerufen, Herr vonHopfcnberg! Sie können mir einpacken helfen."
„Einpacken?" fragte Tobias. „Sic wollen doch nichtverreisen?"
„Ja, ich bin eben im Begriff, und mein Koffer ist sovoll, daß ich jemand brauche, der auf den Deckel tritt,damit ich zuschließen kann."
Hiermit ergriff sie den jungen Herrn am Arm und zogihn in die Stube.
„Mädchen, Mädchen! du setzest ja den schuldigen Re-spekt ganz aus den Augen!" rief der ängstliche Vater undging in seine schwarze Höhle zurück, um das innere Ge-tümmel mit drohendem Herrschcrstabe zu stillen.
Der gewichtige Junker brachte den widerspenstigen De-ckel sogleich zum Gehorsam. „Ach! ich hätte das nichtthun sollen!" sprach er mit kläglicher Stimme: „Nun rei-sen Sic fort und ich sehe das gar nicht gern."
„Sie scherzen!" warf sie leicht hin. „War' aber einbischen Ernst dabei, so sag' ich Ihnen zum Tröste, daßdie Reise nicht weiter geht, als nach Bicncnfeld zur Frauvon Schönau."
„Was wollen Sie denn dort?"
„Ich bin — wie das berühmten Leuten bisweilen be-gegnet — von freien Stücken berufen worden, der gutenDame mit meinen Nadelkünstcn zu dienen, und ihr, dasie viel Langeweile hat, einige Monate Gesellschaft zuleisten."
„Einige Monate?" — rief Tobias und ward vor Be-