doch Victorie gab nicht nach, zog den Zopf noch weiteran sich und klirrte furchtbar mit der Schccrc. Das preßtedem zähen Geizhals die Zusage des Geldes ab. Sie langtenun, ohne das härene Unterpfand aus der Hand zu lassen,Papier, Feder und Tinte vom nahen Schreibtische her,schob alles unter den Schrank, und lüftete ihn so weit,daß der verhaftete Schuldner das zum Schreiben nöthigeLicht erhielt. Bald darauf kroch ein vollzogener Wechselunter dem Schranke hervor. Sie nahm ihn zu sich, ent-ließ den Zopf, und befahl dem herbeigerufenen Diener,seinen Herrn zu entkerkern.
Der Wechsel ward noch vor der Verfallzcit cingelös't.Der gute Zahler ging aber dann sogleich aus, und kamnicht eher zurück, bis ihm ein geschickter Klempner einblechernes Gehäuse über seinen Zopf gefertiget hatte. Die-sen Harnisch trug nun der verfolgte Liebling Tag und Nacht.
Ungefähr vier Wochen daraus sah sich der Ma n n m i tdem Blechzopfe — so hieß er jetzt in der Stadt —zu einer fernen Reise genöthiget, und bediente sich ausGeiz der öffentlichen Post. Am dritten Tage seiner Fahrt,als er schon dreier Landesherren Gebiet hinter sich hatte,kam er in ein Städtchen, wo umgespannt wurde. DerPostmeister sah ihn scharf an, ging mit spähenden Augenum ihn herum, steckte ein Zeitungsblatt, das auf seinemSchreibtische lag, in die Tasche, und eilte fort. Nach einerViertelstunde kam er mit dem Bürgermeister zurück. Ih-nen folgte der Stadtknecht, mit Ketten in der Hand, undzwei alte, mit rostigen Flinten bewaffnete Bürger, die sichan die Thür wie Schildwachen stellten. Der Bürger-meister, seines Handwerks ein Schneider, zog eine Elleunter dem Rock hervor, und wollte sie an des HauptmannsZopf anlegen. „Was soll das heißen?" rief Haberlicb,