Druckschrift 
5 (1847) Franz und Rosalie. Magister Zimpels Brautfahrt
Entstehung
Seite
277
Einzelbild herunterladen
 

^ 277

Das ist der wahren Deutscbheit goldner Kern!

Den machet euch ganz eigen, liebe Herrn!

Ningt euch beherzt vvn Stvlz und Dünkel las,

Strebt groß zu seyn, nur nennt nicht selbst euch groß!

Hier schwieg der Ritter, wandte sich und trat ab.

Rudolph ließ de» Verdacht, daß er ein Finanzbeamtcroder ein Steinhändler sep, auf sich sitzen und verthcidigtcsich mit keinem Worte dagegen. Des Eiferers Schritteverhallten nach und nach in der Ferne: die Burg wardwieder so still als vorher: aber die gute Stimmung, inwelcher sich der Romanenschreiber vor diesem Austritte be-fand , war verschwunden; er brachte keine Zeile mehr znStande. Dessen ungeachtet hielt er in den öden Mauernherzhaft aus, bis ihm der grauende Tag erlaubte, mitEhren weiter zu wandeln.

IS.

Dreißig Stunden später sah er die Löwcnburg, dieKönigin der Ruinen, aus Felsen und Bäumen hcrvor-blickcn.

Da cs eben Mittag war, ging er zuvörderst ins nächsteDorf zum Essen und forschte im Wirthshause, ob die Burgnoch wohnbar sep und ob sich Jemand darin aufhalte.Ja, leider!" sagte der Wirth.Es haust drin seit Mcn-schengedenkcn ein Unbekannter, vor dem uns der liebe Herr-gott bewahre! Es soll ein fürchterlicher Unhold sepn, derein schönes Fräulein gefangen hält und vermnthlich sehreifersüchtig ist; denn betritt Jemand sein Gebiet, so wirfter mit Steinen und thut bisweilen Schreckschüsse: drumwagt sich seit langer Zeit Niemand mehr in seine Resi-denz, und so hört man jetzt wenig oder nichts von ihm."