264 S-o-
„Was sehen Sie denn immer dorthin?" fragte Wolf-gang mit lachendem Munde.
Rudolph wich durch einen schnellen Trunk der Antwortaus. Der Buchhändler schien sie nicht zu vermissen. Erfüllte die Gläser rasch, und als er endlich seinen Mitzecheretwas benebelt sah, überfiel er ihn plötzlich mit dem altenTrinkspruche: „Was wir lieben!"
Der Jüngling erglühte wie Purpur, und vor Bestür-zung vergaß er sein Glas anzufassen.
„Nun, lieben Sie denn nichts?" fuhr ihn Wolfgangordentlich an.
„Ja!" rief Rudolph, mit Wcinmuth aufspringend: „Ja,ich liebe Ihre Tochter und erbitte sie mir zur Gattin."
„Das Hab' ich gedacht;" sagte der Buchhändler mit li-stigem Lächeln. ,„Jch merkte lange, daß ihr euch liebt;aber die Heirath, mein Freund, läßt sich hier bei der Flaschenicht abschließe». Indessen will ich Ihnen einen Vorschlagthun, der so gut als ein Jawort ist. Schreiben Sie mirfrisch hinter einander zwölf gute Romane, jeden von dreioder vier tüchtigen Bänden, und sobald Sie den letztenvollendet haben, soll Mariane die Ihrige sepn."
„Sie scherzen!" erwiederte Rudolph. „Eh' ich diese her-kulische Arbeit zu Stande brächte, wär' ich todt oder we-nigstens ein abgelebter Greis."
„So muß ich wohl etwas Nachlassen;" sprach Wolfgang.„Schreiben Sic mir — —" Er hielt horchend inne undsagte: „Mariane kommt! Verrathen Sie sich nicht, daßwir von ihr sprachen. Sie soll und darf's noch nicht wissen."
9.
Mariane trat herein und bezeigte dem erröthcnden Freundeihr Vergnügen über das ihm zu Thcil gewordene Lob.