Druckschrift 
5 (1847) Franz und Rosalie. Magister Zimpels Brautfahrt
Entstehung
Seite
245
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Der Kosak war in der Stube sogleich zu Hause. Erlegte die Lanze aus der Hand und schnallte das Gepäckhinter dem Sattel los. Dann gab er mir einen klarenBeweis, daß sich solche Männer in Verlegenheiten zu hel-fen wissen. Er schuf in zwei Minuten meinen Schreib-tisch zu einer Krippe für sein Pferd um. Die darauf lie-genden Bücher und Schriften warf er herunter, zog ausdem Regal einige Folianten, umbaute damit wie mit einerWand die Fläche des Schreibtisches und überschüttete deninncrn Raum mit Hafer, den sein Klepper sofort in Be-schlag nahm und mit herrlichem Appetit verzehrte. Ichsah mit Verzweiflung zu und seufzte:O Krieg! o Krieg!"

Es war eben Mittag. Meine Frau sah sich gcnöthiget,die für uns zubereitete Speise dem Russen auzurichten.Sie trat mit der Schüssel in die Stube. Er schmunzeltesie an und wollte ihr die Wangen streicheln. Da faßteich mir aber ein Herz, lenkte seine Hand hinweg, und be-deutete ihm pantomimisch, daß dergleichen Gemächlichkeitennicht zu den Befugnissen der Einquartierung gehörten.Lächelnd nahm er Lehre an, setzte sich betend zu Tischeund genoß die reichliche Mahlzeit, ohne etwas davon übrigzu lassen oder mehr zu verlangen.

Wir wußten nicht, wie lauge wir die Ehre haben wür-den, ihn bei uns zu sehen. Ich wünschte wenigstens, ihnzur Räumung meines Studierzimmers zu bewegen. Dochindem ich hin und her sann, eine schickliche Auskunft zufinden, packte er schon wieder auf und rüstete sich zumAbzüge. Vergnügt rief ich meine Frau. Sie kam, mit demkleinen Theodor auf dem Arme, die Treppe herab. DerRusse freute sich des Kindes und streckte die Arme nachihm aus. Aber schreiend schmiegte sich das Knäblein anden Busen der Mutter. Der gute Kosak wies auf seinen