243 ^
äffung neuer Moden nicht leiden kann, sagte kurz und fest:„Er soll Theodor heißen!" Und so heißt er.
Johanna's Schönheit verblühte ein wenig im Wochen-bette und erhielt auch nachher ihren vorigen frischen Glanznicht wieder. Mancher leise Seufzer ward darüber vordem Spiegel verhaucht: ich aber betrachtete diesen Verlustals Gewinn: denn je schöner die Kirschen am Baume leuch-ten, desto lüsterner sind die unzüchtigen Spatzen darnach.
Im Frühjahr 1813 berührte das von Norden nachSüden ziehende Kriegswetter auch unsere Gegend, undich ward wie jeder andere zum Landsturm aufgefordert.Ich bin nicht zum Helden geboren; der Ruf zu den Waf-fen war mir daher ein Donnerschlag. Da jedoch sogarGeistliche die kanonischen Bücher der heiligen Schriftbei Seite legten und sich den Kanonen entgegenstellenwollten, so konnte ich armes Schulmeistcrlein keine Be-freiung verlangen. Ich erschien demnach mit einer Lanze,die dreimal länger war als ich selbst, auf dem Sammel-platz der Landstürmer. Doch wäre ich gern auf der Stelledesertirt, da der Herr Stadtrichter als Ercrcitienmeisterauftrat. Er hudelte mich nicht wenig: keinen Schritt,keine Wendung machte ich ihm recht; er ließ mich sogarwegen meiner vorgeblichen Ungeschicklichkeit noch eine gutehalbe Stunde ganz allein ererciren, als schon meine sämmt-lichcn Kameraden nach Hause gegangen waren. DiesesMärterthum, in welches mich die Schönheit und Treuemeiner Gattin versetzte, dauerte jedoch nur einige Tage.Dann sprach der einsichtsvolle Fürst alle Prediger undSchullehrer vom Landsturm-Dienste frei, und der gestrengeHerr Erercitienmeister verlor die schöne Gelegenheit, seinMüthchen an mir zu kühlen.
Doch bald nachher gewann er neue Macht und Gewalt,