Druckschrift 
5 (1847) Franz und Rosalie. Magister Zimpels Brautfahrt
Entstehung
Seite
238
Einzelbild herunterladen
 

Ich genoß einige Wochen lang einer behaglichen Gcmüths-ruhe. Doch auf diese Meeres-Stille folgte ein heftigerSturm.

Ungefähr in der Mitte des Monats März 1812 ent-deckte ich, daß Johanna heimlich Briefe schrieb und Briefeempfing. Ich bat sie, mir ihren Correspondentcn zu nen-nen. Sic weigerte sich mit unbiegsamer Beharrlichkeit,und nahm dabei in ihrem ganzen Betragen ein gewissesräthsclhastes, mir äußerst bedenkliches Wesen an. Ichmachte Susannen, unsere alte Magd, zu meiner Ver-trauten , bestellte sie zur geheimen Aufseherin meines ehe-lichen Harems, und befahl ihr, jeden verdächtigen Vorgangmir schleunig zu melden.

In der dritten Nachmittagsstunde des ersten Aprils ließich eben meine Schüler das Verbum ^mare (zu deutsch:Lieben) conjugiren, als Susanne plötzlich die Thür derSchulstubc aufriß, mir winkte, und mir draußen ins Ohrkeuchte:Ach, Herr Magister! erschrecken Sie nicht!Madame ist fort ist entführt ein junger Herr kamgefahren sie sprang zu ihm in den Wagen, und, wasdie Pferde laufen konnten, ging's zum Mühlthor hinaus."

Ich erschrak über alle Maßen, war aber stehendes Fu-ßes entschlossen, der Entflohenen nachzusetzcn. MeineSchüler stoben, durch einen Wink entlassen, aus einander.Ich lief zu einem Kaufmann, der mir oft sein Reitpferdzu einem Spazierritt angeboten hatte; ich bat ihn, cs mitmöglichster Geschwindigkeit satteln zu lassen. Er starrtemich an und sagte:Wollen denn der Herr Magister heutebei Sturm und Regen spazieren reiten?" Ich schütztevor: mein Körper bedürfe sonder Aufschub einer tüchtigenBewegung.Nun, cs ist mir recht lieb, wenn Sie das