Druckschrift 
5 (1847) Franz und Rosalie. Magister Zimpels Brautfahrt
Entstehung
Seite
179
Einzelbild herunterladen
 

Ich wollte, seiner Schlußstrophe zum Trotz, das Zank-licd weiter singen, aber meine schöne Nachbarin bat mich,den Streit ruhen zu lassen, und fugte mit einer bezau-bernden Miene die Versicherung hinzu, daß sie mit ihremPlatze vollkommen zufrieden sep.

Jetzt erschien noch ein vierter Passagier: ein hagererund fast unsauber gekleideter Mann, der eine Tabakspfeifeim Munde, eine Schreibtascl in der Hand und ein Bün-del unter dem Arme trug. Er kletterte ohne langes Be-denken zum Schaffner hin, der in der Schoßkellc auf einementseelten Nchbock thronte, und den Ankömmling einlnd,sich ans ein Paar Hasen nicdcrzulassen.Wären Sie einjunges Modcnärrchcn," setzte er hinzu,so würde ich Ih-nen das nicht znmuthen: denn Sie müßten dann aller-dings Bedenken tragen, Ihre Verwandten zu drücken."

Nach diesem Spaffc ging die Neise fort. Das gigan-tische Fuhrwerk versetzte uns harte Stöße, die jedoch fürmich den Vorthcil hatten, daß sie die nähere Bekanntschaftmit meiner reizenden Nachbarin beförderten und beschleu-nigten. Wir flogen an einander, baten uns um Ver-zeihung und scherzten über das unter uns rollende Erd-beben. So entspann sich eine trauliche Unterhaltung, de-ren Faden nie abriß. Der Doppelpassagier schlief; aberder dürre Mann auf dem Hasenpolster wachte desto mehrund schien unser Gespräch in seine Schreibtascl einzutra-gen. Uebcrhaupt war er ein scharfer Beobachter. Erzählte die Rauchfänge der Dörfer, zählte die weidendenHcerden, zog von dem Schaffner mancherlei staatswirth-schastliche Nachrichten ein und schrieb alles nieder. Ichschloß daraus, daß er ein Schriftsteller scy, der die Ko-sten seiner Reise durch eine Beschreibung derselben gewin-nen wolle. Das beunruhigte mich, weil in diesem Falle