zu befürchten stand, daß er auch meine Person darin auf-stellen und sie zur Vermehrung seines Ehrensoldes benu-tzen würde. Darum faßte ich auf der Stelle den Ent-schluß, ein Gegengift cinzuwcnden, nämlich meine Braut-fahrt selbst zu beschreiben, damit die Welt wenigstens diereine Wahrheit davon erfahre.
Ich durstete gleichsam, den Stand und Namen meinerGefährtin zu wissen, und der Postillon durstete wirklichim engsten Sinne des Worts. Er half sich durch Still-haltcn vor einer Dorsschcnke, und half mir zugleich mit,weil ich nun mit dem Schaffner unter vier Augen spre-chen konnte. Ich bcwirthcte ihn, um seine Gunst zu ge-winnen, aus der besten Flasche, führte ihn dann bei Seite,fragte nach meiner lieben Unbekannten, und hörte: sie sepdie Wittwe eines vor zehn bis zwölf Monaten verstorbe-ne» Landpfarrcrs, Namens Fcrber, den der Tod so zusagen ans dem Brautbctte geholt, und gleich in der erstenFlittcrwoche nach der Hochzeit den Armen seiner jungenGattin entrissen habe.
Ich muß aufrichtig gestehen, daß mir der frühe Hintrittdes seligen Mannes eben nicht leid that; ich bekam viel-mehr Lust, sein hinterlasscnes Ehekleinod zu erben. Ha!wenn dir das glückt, sprach ich in Gedanken, wenn dueinst mit einer so liebreizenden Gattin in Gimpelwaldetriumphirend cinzichst: wie werden dann die stolzen Ge-schöpfe, die dich verschmähten, die Augen Niederschlagenund vor Aergerniß noch häßlicher werden, als sie cs mei-stens schon sind! —
Der Geist der Flasche, die der Schaffner auf meineKosten fleißig handhabte, kitzelte nicht unangenehm meineGeruchsncrvcn, und ich Pflege wohl sonst auch in freierLust ein Spitzgläschen wider den bösen Nebel zu trinken: