Druckschrift 
5 (1847) Franz und Rosalie. Magister Zimpels Brautfahrt
Entstehung
Seite
175
Einzelbild herunterladen
 

-o§> 173 M-o

nothdrungen aus dem Staube machte, rückten eben erstdie Braten heran. Es ward ein prächtiger Rchzicmeraufgctragcn und zerlegt; aber ich bekam keinen Mundbis-sen davon. Wer hätte sich in einer solchen betrübten Lageder Thränen enthalten können?

Doch nicht ganz gebrach es meine» Wunden an einemscheinbaren Balsam, der aber in der Folge das Nebel nochärger machte. Ich bemerkte nämlich während meiner Drang-sale, daß Ulrike, die schöne Tochter des Zoll- und Geleits-einnchmers, ein mitleidiges Auge auf mich warf, und ihreausgelassenen Freundinnen, die ihre Schadenlust frank undfrei an den Tag legten, mit strafenden Worten und Ge-berdcn davon abmahnte. Dieser Edclmuth schien mir einSohn der Liebe zu sepn, und als solchen sprach ich ihnan. Ich entließ des folgenden Tages an die Tochter desZöllners eine wohlausgearbeitete Zuschrift, worin ich michnicht allein für die mir bewiesene Theilnahme schuldigstbedankte, sondern auch allerhand feine Schmeicheleien undartige Schalkheiten von Amor und Hpmcn einmischtc.Aber ich erhielt keine Antwort. Ulrike, das Schäfchen,hatte meine verblümte Liebeserklärung nicht verstanden,und sic, was noch schlimmer war, an die große Glockegeschlagen. Mein Handschreiben ward in allen Theegesell-schaften und Kränzchen gelesen, bcschnattert und bekrittelt.Die erbärmlichsten Ignoranten erklärten cs für ein Mei-sterstück der Schulsüchserei. O, ihr Strohköpsc! ich binkein Pedant. Das unbefangene und einsichtsvolle Publi-kum wird über mich und meine Schreibart gerechter ur-theilcn.

Auch an meiner Figur hat man in Gimpclwaldc vielzu mäkeln. Die losen Dirnen, deren Auge durch die he-roischen Gestalten einiger dort in Garnison stehenden Dra-